Skip to main content

Full text: Aufsätze und Bilder aus der Geschichte Vorarlbergs und seiner Umgebung

58Die K oh enslaufen nach ihren Erwerbungen am Bodens ee 
Als Kaise r Friedrich 1250 starb, war die Macht seines 
Kaufes nur mehr ein Schatten der einstigen Gröhe. Auch 
in Schwaben h atten sich viele für den Papst erklärt und 
der Zug, welchen Ko nrad 1249 gegen die Anhänger seiner 
Gegner unternahm und der auch den Orten Bregenz und 
Pfäver s galt, erreichte sein en Zweck nicht. Auf die Kunde 
von seine s Va ters Kingang warb Konrad, der im Reiche 
alles mit päpstlichem Geld bestochen sah, ein Keer, kehrte 
dem in vollster Auflösung begriffenen Schwaben den Rücken 
und zog 1252 von Pola aus über die Adria nach S izilien, 
um vom väterlichen Erbreich, das fein edler Bruder Manfred 
in unwandelbarer Treue für ihn erkämpfte, Besitz zu n ehmen. 
Damals rief Keinnch von Kartegge, der Meier von 
Marbach, der vielleich t Konra ds Zuge folgte, für ihn zur 
Kimmel s Königin : „Kilf dem Künik Chuonrat also, datz er 
mit R echte ein Vogt ze Rome wer de. Unter den vielen 
schw äbis chen Ritter n, bie Konr ads Zug b eglei teten, befand 
sich wohl auch der edle Rudolf von Ems, der auf Wun sch 
seines königlichen G önners die Weltchronik zu schreiben be­ 
gonne n hat te, die er aber nicht mehr v ollend ete, da er in 
„welschen Richen starb, wo auch König Konrad 1254 bei 
Amalfi dem tückischen Klima Unteritaliens erlag. 
Äonradin, -er letzte Kerz og von Schwaben 
Rach König Konrads Tod blüht e nur noch ein schwa­ 
ches Reis vom st olzen Stamme Barbarossas, sein Urenk el 
Konradin. Als dieser im Jahre 1252 ins Leben cinira t, war 
Konrad IV. schon nach Italien gezogen und der g relle 
Feuerschein, der im Dome zu M essina den Leichnam seines 
Vaters verzehrte, leuchtete blutigrot in den frühesten Mo rgen 
feiner K indheit. Diese verleb te der letzt e Sproß des schwä­ 
bischen Kaifergefchlechtes zu Donauworth, am Kose f eines 
miitterlichenOheims Ludwig von Baiern, der 1250 in eife r­ 
süchti gem Wahne seine unschuldige Gattin hatte enthaupten 
lasse m Wen ige Jahre s pater verehlichte sich Konradins 
Mutter mit dem Grafen von Tirol und der junge Sta ufer 
wurde nun auf die welf ischen Stammgüter hinausgeschickt, 
wo er zu Ravensburg, B uchhorn und in anderen kleinen 
Städten und Burgen am Bodensee seine Tage in sorgloser 
Unbefangenheit verbrachte. 
Kaum zehn Jahre alt kam der Fürstenknabe unter die 
L eitung des v äterlich en Vormundes Eberhard II. von Kon­ 
stanz, der den stauferfreundlichen Truchsessen von Waldb urg 
entstammte. Die Anhänglichkeit an die Kohe nstaufe n war 
hier noch am größten. Ohne Gegnerschaft der Kurie wäre 
Konradin sogar zum König erhob en worden. รท Konst anz 
waren zum E mpfang des jungen Fürsten eine stattliche 
Anzahl schwäbischer Grafen und Ritter ve rsammelt und da­ 
mals erlan gte Rupert von Kempte n von ihm den Verzi cht 
auf seine Stiftsvogtei. 
Auch mit Berthold von Falkenstein, dem freigebigen Abt 
von St. Gallen, der feine Politik gegenüber 5en K ohen­ 
staufen geände rt h atte, hielt Konradin gute Beziehungen 
aufrecht und jener besaß nicht geringen Einflu ß auf den 
jungen Kerzog, der ihn schon bald mit feinem bischöflichen 
Vormund im Kloster auffuchte und von ihm ehrenvoll 
empfangen wurde. Währe nd der drei Tage, die der junge 
Konrad dort verweilte, mag der ritterlichen Glanz liebende 
Abt, wie er es gewohnt war, üppige Festlichkeiten ins Werk 
gesetzt haben und vielleicht ท )(ทู่ es Konradin, den der um 
St. Gal len ansäßi ge Kerr von Wengen als den neuen Mond 
prie s, der so h errlich aufgegangen sei, und der dem Lande 
Lob und Ehre bringen wer de. Durch sein Auftreten mag 
der Abt man chen Ritter u nserer Gegend für den K ohensta ufen 
gewonnen haben. 
Den Winte r über weil te der neue Ker zog auf feinem 
Welfenschlosse zu Ravensburg, von wo er dann im April 
des nächsten J ahres zu fein er Mutter zog. Damals mag 
er auch Bregenz berührt h aben, wovon Johann von Winter­ 
thur in feiner Ch ronik eine u nklare Erinnerung bri ngt. Dom 
Erbe fein er Väter hatte Konradin hauptsäc hl ich noch den 
welfischen Kausbesih, der vom Lech über das A llgäu zum 
Bodens ee zerstreut lag, erhal ten. Aus dieser Gegend s tammen 
auch die meisten Ministerialen seiner Umgebung wie die 
Truchsessen von Waldburg und Warthusen, die Kämmere r 
von Ravensburg, die Schenken von Schmalnegg und 
Winterstetten, die wir nebst anderen früh er oder spater in 
der Umgebung Konradins finden. 
Vor allen war der Kämmerer Volkmar von Kemnaten, 
mit fe inem Sohne Marquard dauernd in Begleitung des 
jungen Staufers zu finden. Jenem weife n, von fein en 
Z eitgenossen hochgeachteten Manne erteilte Konradin manchen 
ehre n vollen Auftrag und in ihm haben wir vielleicht s einen 
ritterlichen Erzieher zu erblicken; einen geeigneter e n hätte 
er kaum finden können. Daß Konradin den w elterfahre nen 
Ritte r wohl zu sch ätzen wuß te, und gern um ihn weilt e, 
zeigt fein langer, wiederholter Aufenthalt in Arbon, das 
Volkmar von f einem Schwiegervater geerbt hatte. Nicht 
ohne der schönen Tage zu gedenken, wo er auf Volkmars 
Burg, die in ihrer allen Grundlage noch erhalte n ist, bewirtet 
ward, verl ieh der Fürst 1266 den Bürgern Arbon s einen 
Freiheitsbrief^ Noch heute wird jene Stadt mit ihrer alten 
Burg und Ringmauer, wo jung Konra d in Freud' und 
Fröhlichkeit der Jagd und bitterlichen K ünste lebte, von 
einem Kauch mittelalterlicher Romantik durchweht. 
Die liebliche Natur am Saume der Alpen und lache nden 
Ufer des Bodensees und deren erheiternde Einwi rkung mag 
wie man chen anderen s angeskundigen Ritter auch Konradin, 
a usgewachsen unter den Sangern der Minne, mit 14 Jahren 
in edler Freude zum Singen und Sagen'gestimmt haben 
und in zarten Liedern besang auch er der Minne Glück und 
Leid. Auch mit körpe rlichen Vorzügen war der letzte Koh en- 
,taufe reich geschm ückt und Zeitgenossen schildern ihn als 
einen l iebenswür dig en und wundersc hönen J üngling. 
Vom Jahre 1264 ab weilte Konradin wie der bei 
seinem Oheim an den Ufern des Lech und in Augsburg, 
wo im Ker bst 1266 auf glänz endem Koftage vor allen auch 
(eine bei den geist lichen Berate r, Eberhard von Konstanz, den 
er kurz vorher am Bodensee besucht hatte, und Bert hold 
von St. Gallen e rsch ienen. Vom fernen Süden waren 
Anhänger des schwäbischen Kaiterhauses gekommen und 
hatten den Staufersprößling e ingel aden, vom Erbe seine r 
Väter Besitz zu ergre ifen. Sie erweckten in dem ritterlichen 
Jüngling den Geist feiner Ahnen; verheißungsvoll stieg 
vor den Augen des Sechzehnjährigen das Bild der alten 
Größe feines G eschlechtes auf und voll Zuversicht fein em 
Glück stern vertrauend, veräußerte Konradin feine schwäbischen 
Güter, um die Mittel zur Ausrüstung eines Keeres zu ge­ 
winnen, das bereits im August 1267 durch Tirol nach 
Wels chland zog. Mancher Ritte r und Knech t vom Bodense e­ 
g ebiet mag ihm damals über den Arlberg nachgezvgen sein, 
ünd wenn eine spä tere Quelle erzählt, datz Konradin um 
Ravensburg und Lindau seine Truppen sammelnd den Marsch 
von Bregenz aus angetr eten habe, unb die Sage ihn mit 
seinem Keere von der Meersbur g aus über den See setzen 
lätzt, mag das weni gstens dafür spreche n, datz auch aus aus
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.