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Full text: Die Völker Österreich-Ungarns. Die Tiroler und Vorarlberger

Die Gliederung des Vol kes in Stände und ihre V erfassun g. 107 
in den Bürger- und Bauernstand übergetreten und einzelne führen 
selbst den Adelstitel nicht mehr. Die wohlhabendsten Familien 
dürften h eutzutage die Enzenberg, als Erben der Tannenberg, die 
Toggenburg als Erben der Sarnthein, die Trapp und Salvadori; 
die einflußreichsten die Giovanelli und Dipauli seiu. 
Die Verleihungen von h öhern und niedereren Adelsprädicaten 
sind in diesem Zeitraume bis auf die letzteu Decennien weniger 
häufig als in den frühern, wenn man von dem sehr zahlreichen 
Adel absieht, den das Reichsvicariat vom Jahre 1790 in Welsch ­ 
tirol geschaffen hat. In den Freihe rren sta nd traten z. B. die Familien 
Eyrl, Gaudenti, Giovanelli-Gerstburg, Dipa uli uud Zephiris. 
Dagegen hat wie der der Tod manche Lücke eingerissen l'nd groß 
ist die Zahl der Ges chlechter, die seit den ältesten Zeiten erlosche n 
sind; sie b eläuft sich wohl auf 300. Im Jahre 1785 zählt e man 
ill der G rafschaft Tirol 1774, im Fürstenthum T rient 1179, im 
Fürs tenth ume Brixen 151 Ansäs sige von Adel, in ganz Tirol 
also, abgesehen von deu später dazu gekommenen Bezirken 3104, 
in Vorarlberg nur 46. Nach dem Populationsausweis des 
Jahres 1788, welcher deu Gesammtadel Tirols auf 3092 beziffert, 
traf es auf 200 Menschen einen Adeligen, im Etschland und 
Vinschgau (Kreis Bozen) sogar auf 128 und im Stifte Trient auf 
126 Seelen einen Adeligen. 
Nicht so bedeutend wie der erste und zweit e Stand hat der 
dritte, die Bürgersch aft, in die Geschicke Tirols eiugegriffen. Tirol 
hat nie so große, auch nicht so viele S tädte nnd Märkt e gehabt, 
wie andere deutsche und ö sterr eichische Länder, doch steht es in 
di eser Beziehu ng dense lben e ntschied en in den früh ern Zeiten viel 
weniger, zum Theil gar nicht nach; denn seine S tädte und Märkte 
siud im Allgemeinen und Einzelnen, insbesondere im Mittelalter, 
verhältnißmäßig viel be deuten der und ein flußre icher gewesen als in 
der Gegenwart. Schon in seiner Theilnahme am Landtage und 
an der gesammten Landschaft trat dies hervor, noch mehr in dem 
sonstigen öffentlichen Leben. Sie genossen im Ganzen kaum im 
geringern, int Mittelalter e ntschied en in viel h öherem Grade der 
Landesfürsten Gunst als der Adel nnd sind damals eine mächtige
	        
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