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Full text: Die Völker Österreich-Ungarns. Die Tiroler und Vorarlberger

Des Volkes L ebe nsweise, Sitten und Gebräuche. 343 
gewesen; die meisten Jünger dersel ben sind, wie wir im folgenden 
Capitel sehen werden, ans dem Bürger- und Bau ernsta nde hervor­ 
gegangen. 
Weit gering er sind die Veränderungen, welche die Beschä ftigung 
der Bürgerschaft erfahren hat. Die ersten Bewohner von Städt en 
und Märkten waren, s oweit sie dem Bürgerstande angehörten, auch 
in Tirol meist bürgerlichen Geschäften, nämlich Handel und Gewerbe, 
zugethan. Doch bildete sich in tir olisch en S tädten ebe nso wie in 
andern, ungeachtet des nicht großen Umfang es derselben, ein mehr 
oder w eniger tiefgreifender Unterschied zwischen den Hand el- und 
Gewerbetreibenden. Die Inhaber von größern H andels häusern 
begnügten sich mit der Zeit immer öfter mit der Leitung der 
Geschäfte und entzogen sich den körperlichen Arbeite n allmählich 
ganz; die Bes itzer großer Fabriken gaben sich vom Anfänge mit 
diesen nicht ab und so erwuchs auch in unsern Ländern aus den 
Großhändlern und Fabrikanten ein H errenstand, dessen B eschä ftigung 
gleichfalls eine wesentlich geistige ist, wie die des Adels und der 
Beamtenschaft. Er ist in frühere r Zeit besonders in Bozen, Trient, 
Roveredo, Ala und Hall, in neueste r aber in den Fa briksorten 
Vorarlbergs und in Innsbruck , Meran und den obgen annten 
Städten zu suchen. Die Handwerker und steinen Kaufleute oder 
Krämer sind je doch ihrer ursprünglichen Beschäftignng in viel 
geringerem Grade entfr emdet worden und obliegen noch vorzüglich 
körp erliche r A rbeit; nur daß dieselbe durch immer häufigere An­ 
w endung vvn Maschinen und rationelleru Betr ieb ebenfa lls einen 
geistigem Ch arakter gewinnt. 
Bietet nach dem Gesagten ilt unsern Tagen die Beschäftigung 
der Geistlichkeit, des Adels und der Bürgerschaft in Tirol und 
V orarlberg kaum Eigenthümlichkeiten, die in andern e uropäis chen 
Ländern nicht zu finden wäre n, so haben sich solch e im Arbeits­ 
jahr des Bauern in g roßer Menge erhalten, so daß dieses gegen­ 
über dem ewigen Einerlei des Thuns und Treibens der andern 
St ände ein farbenreiches Bild gewä hrt, das durch manch uralten 
Zug einen besondern Reiz für den C ulturhistor ike r gewinnt. Auf 
den Bauernhöfen, welche noch von Dienstboten („Ehehalten") und simmnni
	        
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