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Full text: Die Völker Österreich-Ungarns. Die Tiroler und Vorarlberger

358 Des Volkes Lebensweise, Sitten und Gebränche. 
sogenannter Märc hen- oder Geschichtenerzähler ein. Das sind 
meist weitgereiste und viel erfah rene, aber arbeitsscheue oder arbeitslose 
Leu te, die mit ihrem großen Erzählungstalent oft mehrere Tage, 
selbst Wochen die Gesellschaft zu unterhalten wissen und sich so 
den U nterhalt verschaffen. Die Zeit, welc he an Sonn- und Feier ­ 
tagen der Gottesdienst und K irchweg nicht in Anspruch nimmt, 
verwenden Buben und Mädeln öfters zu häuslichem Kartenspiel, 
seltener zn Tanz oder anderer Unterhaltung; noch häufiger besuche n 
erstere die Gasthäuser des Ortes, wo sie bei Wein, Schnaps oder 
Bier sich gütlich thun, dem Berlack-, Gült- und a ndern Karten­ 
spielen oder in s chönen Jahreszeiten dem Kegelspiel obliegen, 
manchmal auch ihre Dirnen (Geliebten) zu Gaste halten. In 
den sogenannten „Buschen" (Schenken) des Etschlandes, wo man 
sehr wohlfeilen und oft sehr guten Wein trink t, gieng es in früh ern 
Zeiten dabei s elten ohne Strei t und Thätl ichke iten ab. S olche k ommen 
wohl anch jetzt nicht selten vor. Dabei zeigt sich aber der große 
Unterschied, daß die Deutschen sich mit den Fäusten oder mit Gegen­ 
ständen schlagen, die Welschtiroler mit Mes sern sich Stiche versetzen. 
Ein gr oßer Unt er schied beste ht auch in ihren Spie len, die Welschen 
ziehen das (Alla mora) das Ballonspiel und das „Watschelen" (delle 
pa llotale) dem Kartenspiel weit vor. In diese ziemlich gleichförmige 
Unterhaltungsart bring en schon die häufigen Markttage Abwechslung, 
wo nicht bloß Käufer und Verkäufer, Bau ern und Bäuerinnen, 
sondern auch Knechte und Mägde, die keine Geschäfte haben, zu 
den Marktorten strömen und auf den Marktplätzen oder in den 
Gasthäusern sich ergötzen. Es ist eine beson ders günstige Zeit zu 
Zusammenkünften für Liebende, die fern von einander wohnen, 
bei d ieser Gelegenheit aber sich treffe n, beschenken und gemeinsam 
in den Gasthäusern an Sp eise und Trank sich erquic ken. Eine 
ähnliche B edeutung haben die größern Bittgänge. Noch mehr 
A bwechslung als diese und die Markttage bewirken die hervor­ 
rage nden Festzeiten im F estjahr der bäuerlichen Bevölkerung. 
Ein solcher Festtag ist gleic h der letzte und zugleich erste Tag 
im Dienstjahr, der Lichtmeßtag . Da gibt es nach dem feierlichen 
G ottesdienst ein besseres Mahl und dann wird gezahlt, w orauf w orauf
	        
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