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Full text: Die Völker Österreich-Ungarns. Die Tiroler und Vorarlberger

440 Kunst und Wissenschaft. 
F amilien beizulegen, das bezeugt weite r die nicht seltene Erwähnung 
von Spielleuten in den Urkunden der Zeit. Deren lebten z. B. 
zu Zeiten König Heinrichs m ehrere im Lande, ja es fin det sich 
sogar eine Fam ilie, die v orzüglich die sem K unstbe triebe sich zuwandte, 
die von Bt etz. Ein berühmter Vertreter di eses Kunstzweiges im 
XIII. Jahrhundert e war ein gewisser Con rad von Tiro l, der am 
Hofe Manfreds ill Unteritalien lebte. Auch ilt späterer Zeit, im 
weiteren Verlaufe des XIV. und int XV. Jah rhund erts, fehlt es 
nicht an Nachrichten von solchen und ähnlichen Kunstjüngern. So 
wird es begreiflich, daß gerade Tirol das Land war, wo man am 
Schluff e des Mitte lalte rs die Volksepik uoch nicht vergessen hatt e, 
und daß Kai ser Maximilian von Hans Ried, Zöl lner in Bozen 
sich das Heldenbuch an der Etsch absc hreiben lassen konnte, wel ches 
nun eilt Kl einod der Ambraser Sammlung bild et. Zwei andere Züge, 
die der mittelhvchdentschen Dichtkunst in unsern Bergen eilt eigen­ 
thümliches Gepräge geben, aber aus der Natur und Lage des Landes 
sich leicht erklären, sind nicht zu übersehen. Der eine davon ist die 
Häufigkeit von fahrend en Sängern, besonders unter den D ichtern 
des XIII. Jahrhunderts, die ill die F remde ziehen müssen, um 
dort sich Gunst und Unterhalt zu suc hen. Ich erinnere nur an 
Walt her von der Vogelwcide und Friedrich von Sonnenburg. 
Die andere Eigenthümlichkeit betrifft den engen Zusamme nhang 
mancher tiroli sch en Dichter mit denen Italiens und den Einfluss 
der italienischen Literatur auf die tiro lische nach I nhalt und Form. 
Die ser zeigt sich am au ffallend sten bei Hans Vintler, der einem 
italienischen Werk fol gt, und bei Oswal d von W olkenst ein, der 
mit Dante und Pet rarca bekannt ist. 
Unter den Minnesängern Tirols müs sen wir in erster Linie 
den allseitigsten und tie fsten von allen Pfl egern höfischer Lyrik in 
De utschlan d, den berühmten W alther von der Vog elweid e, nenn en. 
Zwar hat die Fo rschung noch nicht zwingende Grü nde für die An­ 
nah me, es sei das Laye ner Ried ilt der Gegend von Klausen seine 
Heimat, beibringen können, aber dieser Annahme widerspricht kein 
maßgebender Grund, im Gegentheil macht dieselbe m ancher Umstand 
im hohen Grade wahr s cheinl ich. Jedenfalls kann kein deutscher deutscher
	        
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