Tie (Einwanderung vcn Germanen und Slaven nnd ihre Bekehrung. 43
Thal, wo die Baiuwaren den Kampf mit den Sla ven aufnehmen
mußten, wie. in den früh er erwähnten Gegenden des Etsch-Lan des ,
vielleicht auch in deu südöstlichsten Abhängen Südtirols in größern
Massen sich niedergelassen.
In der Art der B esi t zergreifung hat zwischen den einzelnen
Germanenstämmen ein nicht gering er Unters ch ied stattgefunden.
Nach dem Be richte des langobardischen Geschichtsschreibers Paul
Diaconus tödteten seine Landsleute bei ihrer Niederlassung in
Itali en viele edle Römer und ri ssen deren Besitz an sich, die
armen Romanen wurden aber auf ihren Güt ern b elassen und
mußten den dritten Theil ihres E rträ gnisses an ihre Herren als
Zins entrichten. Herzog Evin, der schon im Jahre 57Ö im Besitze
des Herzogthums Trient erscheint, und seine Scharen werden sich
in unsern Thälern kaum a nders verha lten haben, da er ja auf
seinem Kriegszug nach Istrie n anch durch Braud uud Raub sich
hervort h at. Die Baiuwaren, Alamannen und Go then hi ngegen
haben wohl in friedlicher Weise sich in Tirol und Vorarlberg nieder
gelassen. Schon an und für sich mi lderer Natur, standen sie in
g eringer Zahl einer gewiß nicht wenig zahlreichen Bevö lkeru ng
gegenüber, die, an F rem d herrschaft gewöhnt, sicherlich ohne ern st-
lichern Widerstand sich unterwarf; so fehlte einerseits jede Veran
l assung zur Härte, von der anderseits Furcht vor der Ü berzahl
abschrecken mochte. Dazu kam die gefährliche Nachbarschaft der
Langobarden, die ihr Gebiet w eiter nach dem Norden ausz udehne n
strebten. Nur durch diese Annahme friedlichen Übereinkommens
ist es erklärlich, wie im romani s chen Rätien Traditionen über die
einstige Pracht und H er rlichkeit des römischen Culturlebens sich
erhalte n, wie die Verehrung der Grab stätten der alten Bekenner
und Märtyrer — man denke nur an den heiligen Valentin in
Mais und Vigilius in Trient — auf die G ermanen überge hen
konnte.
Was den Charakter der Niederlassungen anbelangt, so Iv irktem
h iefür sowohl die Natur des Lan des als die Anwesenheit einer
zahlreichen frühern Bevölkerung Ulli) der Bestand vieler Ortschaften
und Ansiedlungen bestimmend. Derselbe wurde demnach ein ein