Den Industriearbeitern geht es zweifellos ungewöhnlich
gut. Dieser englische Acht-Stunden-Unsinn begünstigt ihre
Anmaßung, und so oft sie ihren Lohn für zu niedrig erachten,
streiken sie und bekommen mehr.
Und die Bürokraten profitieren, wenn auch in geringerem
Maße. Für jeweil s fünf Einwohner gibt es hierzulande einen
Beamten; ein skandalöser Überfluß, aber wer wol lte nicht
Beamter sein - eine der wen igen Karrieren, in welchen ein
E i nheimischer unter den gegeben en Umständen hoffen darf,
dem Hungertod zu entrinnen? Auch wir Ausländer tun es. Für
Unte rku nft, Beleuchtung, Wäsche, für Kleider- und S chuh
reparaturen, für ein Essen, das in dieser Güte und Abwechs
lung für keinen Preis in einem fünfmal so g roßen englischen
Dorf zu haben wäre, für so viel Wein, Bier, Schnaps 113 und
Most, wie wir ertragen könn en, zahlen wir einen Betrag , der
sich, für uns beide zusammen, auf drei englische Schilling pro
Tag beläuft. In dieser Summe ei nges chlossen sind noch zehn
Prozent Bedienungsgeld, auf dem ich bestand, obwohl es
et liches Hin und Her gab, bis sie es annahmen. Das sind die
Ergebnisse der „Valuta", soweit sie Engländer betrifft.
Valuta: eines der drei Wörter, die man jetzt zum ers tenmal
von Mund zu Mund wiederholt zu hören bekomm t. Die an
deren zwei sind „Anschluß" und „Miliz". Diese Angelegen
h eiten sind in un serer eigenen Presse hinreichend behandelt
worden; ich möch te nur, was das dritte der Wörter betrifft,
sag en, daß keine Regierung, wie klug und w ohl meinend sie
auch immer sei, ihre Wünsche zur Ge ltung bringen kann,
wenn man ihr die Mittel nimmt, dies zu tun: die Mi liz. Von
hochbezahlten in teralliiert en Sachverständigen114 erwartet
man nicht, daß sie mit Sympathie oder Einbildungskraft ver
sehen sind; das wäre zuviel verlangt. Aber sie sollten wenig
stens etwas gesun den Me ns chenverstand und Geschichts
kenntnisse besitzen. Obwo hl Westeuropa tödliche Ängste vor
dem B olsc hewismus zeigt, ist es geschäftig daran, ihn anders
wo zu erzeugen. Und wenn dieses einst vornehme Land wie
das übrige Österreich einen Hang zum Kommunismus auf
weist, so sind unsere Sachver ständ igen dafür verantwortlich
zu machen. Wenn die Suppe kocht, gerät der Schaum unwei 103