XII
V a I d u n a
In Valduna bekam man von Idioten mehr als genu g. Rene
wurde bitterernst. Ich glaube, er hat sich eine end gültige Auf
fassu ng über alles Menschliche angeeignet. So soll es sein. Die
Anblicke solcher Qual sind Lab sal für die S eele. Sie lass en uns
ernsthaft über Dinge nachdenken, die es wert sind, ernst
genom men zu werden. Sie vertiefen und erweitern unser Mit
leid.
Der freundliche Doktor wurde noch freund licher, als er mei
nen Namen hörte - er ist ein Alpinist aus der Geg end und
er ließ k einen einzigen Patienten aus, eine oder zwei Frauen
ausgenommen, die vermutlich in puris natural ibus2'3 Sonnen
bäder nahmen, wie auch einer der Männer, ein robu ster
und hübscher Bursch von sechzehn Jahren. Er hatte einen um
wölkten, völlig abwesenden Blick und konnte nicht dazu
gebracht werden, ein Wort zu äußern . Wir sahen sie alle; die
unsauberen Patie nten, die unruhigen Patie nten ebenso wie
die einfach Irren, traurig oder froh. D erzeit sind keine G ewalt
tätigen hier, aber einig e von denen, die an Hörhall uzinatio
nen litten und die tü chtig drauflos schimpft en.
„Hallo, Madam", sagte der Doktor zu einer der Da men, „was
machen Sie denn hier? Ich glaube, Ihr Gesicht hier noch nie
geseh en zu haben."
„Ich bin gekommen, um einen armen Patienten zu besuchen.
Hat man denn meinen Namen nicht anges agt? Wie unent
schuldba r dumm von ih nen! Doch ich muß in etwa einer hal
ben Stunde wieder ge hen. Also auf Wiedersehen, Dok tor, im
Falle, daß wir uns nicht mehr treffen."
Ziemlich verrückt!
Da lag ein arme r, alter Kerl im Bett am Vora bend der Ewig
keit21’. Er fas z inierte Rene mit einem heißen, irrenden Blick
und mit einer Flut verworrener, größenwahnsinniger Reden. 159