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Full text: Wieder im Walgau (Together)

nicht voneinander un tersche iden kann. Bei derartigen Gele­ 
genheiten be klagt er die nutzlose Zweideut igkei t und Weit­ 
sc hweif igkeit meiner Sprache; ich erwidere mit irgendeiner 
höflichen Bemerkung und beklage die Armut seiner eigenen. 
Ich sollte noch erklären, daß ich Lehrzeugnisse für die fran­ 
zösische und englische Sprache besit ze wie auch eine unfehl­ 
bare Unterrichtsmethode (ein Familiengeheimnis) für zur ück­ 
gebliebene oder fortgesc hrittene Schüler. Und es trifft sich 
nicht zum erstenmal, daß ich mich bemühe, Rene ein paar 
Englischkenntnisse einzuf lößen, der, trotz seiner Fehler , 
ein umgänglicher junger Mann ist. Er weist zudem in seiner 
Ahnenreihe einen gewiss en Hang zum Raubr itter tum auf, was 
gut zu einem gleichen Hang in der meinen paßt (siehe Peter 
Hinedos „Genealogie der ältesten und edelsten Raubritter­ 
familie, oder Douglas7', L ondon 1754). 
Diese erstau nliche französische Erziehung... Was soll man 
mit Leuten anfangen, zukünft igen Kandidaten für Regierungs­ 
posten, die den Unt e rschied zwi schen einem Umstandswort 
und einem Bindewort nicht kennen, die, wenn sie ein rück­ 
bezügliches Zeit wort erklä ren sollen, einen mit einem Gesicht 
gekränkter Unschuld ansehen, n ahezu als ob man sie gefragt 
hätte, was die Hauptstadt von China sei, die Lage ihrer eige­ 
nen Kolonie Obok, und ob Chile zu Deutschland oder Öster­ 
reich gehöre? Davon lernen sie nichts in der Schule, oder 
wenn, dann in einer untere n Klasse, wo sie es schnell und für 
immer vergessen. Statt dess en sind sie unter dem Namen 
„Lite r atur" mit wi nzigen Einzelheiten über das Leben aller 
fran zö sischen Schriftsteller, die jemal s die Luft des Himmels 
atmete n, vollgestop ft . Und mit einer verwi rren den Menge 
wertloser physikalischer Form eln, genug, um das Gehirn eines 
Gauss zu betäuben. Was Rene über K onv exlinsen und Dekli ­ 
nationsnadeln und dergleichen Gewäsch weiß, ist nicht wis­ 
senswert. Seine Kenntnis von jeder Ei nzelheit aus Moliere s 
Leben und Werke n ist in seiner Vol lständ igkeit verheerend 
und bereitet mir nur Unbehagen. Nun war Moliere zweifels­ 
ohne ein fe iner Bursche, aber kein Junge hat das Recht , soviel 
über ihn zu wissen. Ich wünschte nur, man hätte ihm statt 
dessen ein paar Grundkenntnisse der Grammatik beigebracht. 35
	        
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