Einleitung.
Bei der heute immer mehr sich steige rnden Bergfreudigkeit und
förmlichen Kunst des Steigens zu allen Jahreszeiten dürften auch
Erklärungsversuche der himmelanstrebenden Gi pfel sowohl wie
auch merkwür diger niedriger Kuppen, so weit sie nicht selbstver
ständlich sind, einigen fi nklang finden. Ihre Kamen gehören im
allgemeinen zu den jün gsten. Die Mensche n hatten nämlich bis in
die neuesten Seiten wenig Sinn für jene Gebirgsregionen, welch e
ihnen keiner lei Nutzen zu b ieten schienen , wohl aber mit allerlei
Unglück und verderben drohten. Nur Jäger, Senner oder Hirten,
Erzgr aber oder die „V enedigermännlein" und Leute, die von einem
Tal ins an dere am kürzesten über Jö cher mu tzten, gehör en zu den
frühesten Namen geb ern. Sonst ist über ganze Gebirgszüge, die
heute zu den höchsten, berühmtesten und begangensten gehöre n, in
früheren Seiten wenig oder nichts zu erfahren. So werden z. B. im
Jahre 1228 am 18. August zu Ulm in einer Ur kunde die Grafschasts-
grenzen des oberen Pin zgaus im Salzburgischen bestimmt . Obwohl
sich darunter die hohen Tauern mit Venediger, Großglockner usw.
bef inden, so wird kein einzi ger diese r Bergesriefen gen annt, sondern
alles mit dem allgemeinen lateini sc hen Ausdruck „montes nomine
Tovvern", Berge des Namens dauern, abgetan, fills der Schweizer
karte des Süriche r Professors Scheu chzer vom Jahre 1712, die in
ziemlich große m Maßstabe ange legt ist, treffen wir von Iiilstermünz
und dem Samnaun im Osten bis zum Rhein im Westen trotz
der alpinen Majestäten der Silvrettagruppe und des Rätikons
nicht einen einzigen G ipfel erwähnt. Ja noch die Karte fid olf
Stielers über Tirol und Vorarlberg von 1808 enthält vom ganz en
Rätikon nur die Namen der begangensten Jöcher vom Montaf on
ins Prätig äu: Gaf all B., Gavia B., Sc hl appiner Joch, im Gr aben,
vom Gampadelz ins fintoniertal, und den ijalknis an der Gr enze
von Liechtenstein und der Schwei z, filt er öings existiere n in diese r
Seit bereits hervorragende Karten, wie z. B. für Tirol die von Peter
finic h 1774, von Vorarlberg die historische Karte seine s engeren
Landsmannes, Schül ers und Mita rbeiters Blasius Huber, „Pro
vin cia flrlbergica“ usw., von 1783, mit ziemlich zahlreichen Berg
namen . Noch mehr aber könn en wir den verschieden e n Grenz
beschreibungen, namentlich vom 16. Jahrhundert an, insbesondere
um 1610 bis 1612 entnehmen, als der fiusbruch des ZOjahrigen
Krieges drohte und es sich um die Verteidigung der Landesmarken
drehte, firn meiste n Benennungen und Namensformen bi eten
uns aber doch die eigentli c hen Urkunden, auf deren Grund
sich die Erklärungen vor allem aufbauen lassen. Freil ich setzen auch
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