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Full text : Geschichte der Reichsgrafschaft Hohenems und des Reichshofes Lustenau

114 Der

„Neuburger Korridor” wäre zwar von vornherein ein etwas
problema tische s Gebilde gewesen — aber das Streb en nach Erwerbung
 von Dornbirn, Höchst-Fußac h, Götzis und Mäder
muß als organische Wachstumsrichtung des emsischen Territoriums
 gewertet werden.

Kummenberg, Rhein und Bo densee wären mit den Bergwänden
von Ems und Dornbir n die natürlichen Gre nzmar ken der von Ems aus
erstrebten politischen Raumbildung gewesen. Daß diese Raumerfüllung
 nicht Wirklichkeit geworden ist — daran haben die raumhungrigen
Emser zu allerletzt die Schuld .

Ja, wenn es nur auf ihren Raumwillen allein angekommen wäre,
hätten sie den alten Rheingau in neuer Form wiedere rste hen lassen und
das ganze Rheintal vom Bod ensee bis zum Kummenberg aufs neue
wieder zu einer politischen Einheit — diesmal mit dem Mit telpunkt
Ems zusammengefaßt. Ansä tze dazu waren genug vorhanden. Erinne rn
wir uns, wie stark auch das linksrheinische Gebiet um 1400 mit emsischen
 Hoheitsrechten durchsetzt war, und wie sie auf der re chten Seite
eine Position nach der and ern erobert und außer Dornbirn auch Schwarzach
 und Wolfurt erfaßt haben!

Hö here Mäch te — die politische Umwelt, haben diese Entwicklung
immer wieder gestört, gehemmt und schli eßlic h un te rdrückt.

Die kräftig aufs treben de eidgenössische Demokratie hat ihre Machtentfaltung
 im li nken Rheintal in der schönsten Blüte geknickt und zur
Abschichtung gebracht, — der Rhein wurde zum scharfen Trennungsstrich.
 Drü ben war ihr Einfluß für immer ausgeschaltet. Dafür suchten
sie sich herüben zu entschädigen.

Der Herr s chaf tsplan von 1620 sollt e di esen Umlagerungsproz
 eß vollenden und dem emsischen Territorialstaat den
Weg ans offene Gestade des schwäbis chen Meer es freigeben,
um ihn so aus seiner Bi n nenlage, —■ wenn man so sagen darf —
zu befreien.

Wer einmal auf den Basteien der emsischen Felsenschlösser gestanden
 hat und seinen Blick über dies en einheitl iche n Landschaftsraum
 hat schweifen lassen, wird den unverwüstl iche n Gestaltungswillen
der Emser Burgherren erfaßt — und ihren ewigen Wunschtraum nachgefühlt
 haben — die ses ganz en Lan des zu ihren Füßen sel bst Herr zu zu
            
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