Dieser Wachstumsspitze nach N-W war bereits eine
nach N-O vorausgetrie ben worden . Die Emser haben auch
Dornbirn in ihre Interessensphäre einbezogen und mit
einer Zähi gkeit und Zielstrebigkeit sondergleichen nach
der vol len Herrschaft über diese größte und reichste Geme
inde des unteren Rheintals gerungen, seitdem sie sich
dort einmal festgebissen hatten.
Doch dieser Brocke n war für den Emser Steinbock zu hart und
zu spröde; er hat ihn alle Jahrhunderte seines zähen Lebe ns hindurch
nicht ver daut, er ist ihm in se inem unersättlichen Schlund ste cken
geblieben; so sehr er auch daran würge n und zerren mochte, alle Seitensprünge
und Anläu fe blieben umsonst; es blieb dabei — an den Felsenmaue
rn von Dornbirn hat sich der Steinbock seine gew altigen Hör ner
wundgerieben, — er ist über den Bocksberg1) nie ganz hinübe r gekommen.
1318 war er zum erstenmal in den Dornbirner Klee äsen gegange n.
Das große Gut zu Mü hlebach war sein erster Weideplatz.2) Seitdem
aber die Mon tforter Kirchenfahne Halbmast aufgezogen und der Habsburger
Pfau in Dornbirn sein Rad aufgeschlagen hatte, mehrten sich
die Weidgänge ins Dornbirner Kirchspiel; bis die Montforter Fahne
endgiltig gestrichen wurde (1390), hielt der Bock noch reichlich Mahlzeit.
Bevor der let zte Montfort-Feldkircher zu seinen Ahnen ging, hatten
die Emser-Ulriche durch eine Reihe von Käuf en in fieberhaft e r Eile
noch zusa mmenger a fft, was nicht montfortisch in Dornbirn war; vom
Kloster Weingarten erlangten sie am 21. Mai 1388 um
300 Pf. Heller Widern und Kirchensatz zu Dornbir n, samt
allen Rechten, Nutzen, Gewohnheiten und Zugehör3) und
bald darauf, am 15. Juli di eses Jahres, vom Frauenkloster
Hofen bei Buch horn alle Re chte, Leute und Güter zu
.Dorrenbeuren“, namentlich den Kelnhof mit aller Zugehör
1) Über den. Bocksberg verlief die Gr enze des Burgfrieds von Ems gegen
Dornbirn.
2) Fischer, Urkunden-Auszüge aus dein Dornbirner Arc hiv Nr. 1.
Ulric h I. v. Ems kauf te am 16. Okt. 1318 von Johann v. Sigberg das
Gut Mühlebach b. Dor nbirn samt allem , was in und vor dem Bregenzerwald
dazugehörte, um 250 Mark Si lber.
8) Fischer, Archiv-Berichte aus Vbg. Nr. 1117, Vbg. M. B. 38.