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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 1

568 Burg 
im Balcastiel. 
ten Ufer des Mustergiel-Baches. Das Tälchen, das dies en Weiler unten mit 
Schutzmauern und Talsperren eingedämmten Wildbach entsendet, ist Vor 
Nor dwinden gesc hützt und gediehen an sei nen sonni gen Berglehnen'noch 
vor etlichen hundert Jahren nicht nur Kirs chbäume, sond ern sogar Wein­ 
reben. Die Schloßwand sc heidet den Talk essel in ein engzerklüftetes „Link­ 
Tobel" (linkerseits) und in das eigentliche Valcast ie l- Tobel rechterseits. To­ 
sende Berg bäche stürzen aus bei den Tobeln zur Tiefe und vereinigen sich 
unterhalb der Schloßwand zum ei gentlich en Musterg iel. Seit Herbst 1926 
sührt nunmehr ein gebahnter Steig in 10 Minuten von der Talsohle zur 
Ruine empo r, die nurmehr in spärlichen Resten in etwa 50 Meter Höhe über 
den Bachbetten am Fe lsen der senkrecht abfalle nden Schloßwand kle bt. Der 
Ausblick von dieser Stel le aus ist großartig und wech sel reich. „Rechts ab­ 
wärts zac kige Schro fsen, grüne Tannen, wilde Schlu chte n. Links abwä rts 
terrassenförmige Felskämme, Buc hen- und Fichtenwälder. Talseil s si lber­ 
glänzende Wasseradern auf fchott erblau em Grunde, grüne Weiden . Weiter 
unten blühende Bäume, grüne Säume, blaubrau ne Dächer, das Schlängel­ 
band der III. Jenseits des T ales: Bartholornäberg, ein Ausschnitt von 
Valen ober St. An töni bis zur Pfarrkirche, in fernduftigen Tönen. Rechts 
im Hinte rgru nd die Silbe rtale r Alpen mit der Lobfpitze"/) 
Von der einstigen Burg ist noch ein geringfügiger Baurest erhalten. 
Der grö ßte Teil der Terrasse, aus der der eigentlic he Burgbau gestanden 
haben mochte, ist im Lauf der Zeit in die Tiefe gestürzt. Die noch vor­ 
handen e Plattform ist ungefähr 5 Meter lang, 2.30 Meter breit und zum 
Teil von Bruchstücken der ansteigenden Felswand überschüttet. Durch einen 
vorkragenden Felsriegel getrennt, schl ießt sich gegen Norden eine kleinere 
etwa lVo Meter im Geviert betragende Te rrasse an, die jetzt noch teil­ 
weise von Mauer res ten umschlossen ist. Die von Ost nach West lausende 
Mauer wand hat ein noch ziemlich erhal tenes Rundb oge ns enster mit ab­ 
geschrägter Leibung; es ist raums eitig 40 Zentimeter br eit, 1.18 Meter hoch, 
indes die äußere Oesfnung nur 31 Z entimeter breit rind'1.08 Meter hoch 
ist; die Schlplatte desse lben ist — wohl zufolge des Mauerschadens — 
nach außen gesenkt. Die ro manische Stilart dieser Fensteröffnung läßt 
auf eine Entstehungszeit der Burg etwa im 13. Jahrhundert schließen. — 
Nach der Bergseite zu ist die Mauer in der Form eines größeren rechtecki­ 
gen Fe nsters oder eines Türeinga nges durchbrochen. Das Maue rwerk se lbst 
ist 78 Zentimeter dick, aus Kalkst ein en von 15—20 Zentimeter Durchschnitts­ 
maß in Kalk bin dung mit beidersei tiger Verblendung, inwendig Mit Ge- 
füllsel au fgesüh rt. Der noch vorhandene Mauerrest hat eine Höhe von etwa 
5 Meter. — Neben dem Fensterc hen haben sich noch Verba ndsteine einer 
Quermauer erhalten, die den beschränkten Raum talseits abgeschlossen hatt e. 
Die in der senkrecht aufst eigen den Felswan d verankerten Ansätze dieser 
Mauer sind vom Talgrunde aus zu sehen. 
Dieser von der Burg allein noch erhaltene Raum erinnert fast an eine 
Kapelle und wird die ser Ei ndruck noch durch eine bergfeits in den Fels­ 
spalt eing emau erte 50 Zentimeter breite Nische verstärkt; selbe dürfte zur 
Aufstel lu ng von Gebrauchsgegenständen gedient haben ?) 
4) Hans Barbi sch in: „Vandans, eine Heimatkunde aus dem Tal Montafon", Inns­ 
bruck , Univer sitä tsverl ag Wagne r (1922), S. 30 f. 
5) Barbisch, aa. O., S. 30.
	        
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