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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 1

Burg 
Sonnenberg. 201 
auf Schloß Sonnenberg einsam sein ruheloses und schicksal sr ei ches Leben 
bes chloß. 
Er ist eine der markantesten Persönl ichkeite n des Hauses Werdenberg. Frühzeitig 
war er in den Iohanniterorden ei ngetrete n, wurde 1376 Komthur des Ordens zu Wä- 
denswyl am Zürichsee; 1379 er scheint er als Ko mthur des Ritterhauses in Feldkü? c h.^) 
1388 wurde er zum Bischof von Ehur erwählt und waltete als sol cher und zugleich als 
Reich sfürst bis zu s einem Tode 1416. Seine Re gierung war eine überaus unr uhige und 
f e hdereiche. Der Bischof hatte den gro ßen Plan gefaß t, den alten Glanz sein es Hochstiftes 
Chur wieder her z ustellen, die entzogenen Rechte und Besitzungen wi eder an sich zu ziehe n 
und den von einem mächtigen Adel drohen den Gefahren zu begegnen. Zur Los ung dieser 
überaus schw ieri gen Ausga be fehl te es ihm nicht an geistiger Kraft und feste m Willen, wohl 
aber an Klugheit und äuß erer Macht ; er mißkannte seine Zeit und seine Umgebung und 
erreichte das gestecke Ziel nich t, vielmehr stürzte er die ins Verderben, deren Ruhm und 
Glanz er Herstellen wollt e: sein Hoch stift, seine Freunde und Verwandten. In Verfolgung 
seiner Ziele geriet er in Fehde mit den Herren v. Matsch, den Freiherren v. Razüns, welt ers 
mit seinen eige nen Stammverwandten, den Grasen von Werdenberg-Bludenz, Werdenberg-­ 
Heili ge nberg und Werdenberg-Rheinegg, und sc hließ lich mit den Herzogen v. Oesterreich. 
Mit letzteren hatte er die oben im Jahr 1404 erwähnte Fehde : Bischof Hartmann wollte 
einen feindlichen Ver heeru ngszug der Feldkircher räc hen. Auf der Heimkehr von einem solchen 
Vergeltungs-Beutezug wurde er bei Feldkirch von den Oesterrei c hischen gefangen genommen, 
auf die Schattenbur g gebracht und hier zehn Mo nate in Verwahrung gehalten. Erst zu 
Beg inn des Appenzellerkrieges im Sommer 1405 wurde er frei gelassen. — Mit dem um 
jene Zeit entstandenen „Bund ob dem See schloß der Bischof einen Neutralitätsvertrag. — 
In emer neuerlichen Fehde mit Herzog Friedr ich v. Oesterre ic h wurde Bischof Hartmann 
von die sem abermals gefangen gesetzt und auf die Fürstenburg im Vintschgau in Gewahrsam 
gebracht, aber alsbald wied er von seinen Untertanen befreit. Die meist unglücklichen Fehden 
brachten ihm und dem Hochstift eine empfin dli che Schuldenlast, die von feiten des ersteren 
eine Reihe von Veräußerungen und Verpfändungen sein es Besitztums er heischte. — Als 
Obe rhirt war Hartnrann für das geistliche Wohl sein er Diözesa nen nicht untätig, wenn er 
auch viel fach wegen seiner Fehden und der Wirren der Zeit die geistliche Verwaltung des 
Bistums sei nen Weihbischöfen überlassen mußte. Bei seinen Untertanen war er übrigens 
stets hochangesehen und beliebt und erfreut e sich bei all fer nem Mißgeschick ihrer treuen 
Anhänglichkeit. — Er sc hloß sein reichbewegtes Leben auf Schloß Sonnenberg im Walgau 
mit einem er baul ichen Tod. 5) 
4) Vgl. tlrk. Regest , in Arch. Der. von G. Fischer in Mus. Der. 37 (1898), Nr. 975. 
B) Srehe über ihn und feine Regierung: I. G. Mayer, Gesch. d. Bist. Chur, 1., S. 396 
—426; Kr üger, aa. O., S. 315 f. 
®) Siehe über dies Gesch lecht Dr. Jos. Vochezer: Gesch. d. fürstl. H auses Waldburg in 
Schwaben; Kempte n, Kösel, 1888. — Vgl. weiters: Beschr. der Burgen Alt- น. Neu-Ems. 
Auf Ableben des Bischofs traten feine früh er genannten vier Neffen 
in sein Erbe ein und bekam en so die nunmehr für sich bestehende und ab­ 
gesonderte Herrschaft Sonnenberg. 
Von diesen jetzig en H erren hinterließ al lein Heinri ch Erben und 
Nachkommen in sein en zwei Söhnen Wilhelm und Georg. Diese 
w urden 1434 von Kai ser Sigismund mit Sonnenberg und dem dortigen 
Hoch ge richt Guggais (beim hangenden Stei n, an der Gren ze zwischen 
Blumenegg und Sonnenberg) im Namen des Rei ches belehnt. Wilhelm 
war österreichischer Hauptmann zu Wall enstadt und starb unvermählt 1497; 
Georg war verehlicht (seit 1463) mit Barbara Truchseß von Waldburg; 
er starb kinderlo s 1501. 
Im Jahre 1455 (Juli 19.) verkauften diese beide n Brüder die 
Herrschaft und Veste Sonn enberg um 15 .000 Rhein. Gulde n an 
Eberhard Truch seß von Waldburg, Vogt zu Feldkirch, den 
später en Schwiegervater Georgs.6) 
Kai ser Friedric h III. erhob mit Urkun de vom 11. Augu st 1463 die 
Herrschaft Sonnenberg zu einer R eichs graffchaf t und ver lieh ver lieh
	        
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