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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 1

Neuburg. 293 
Der Tatbestand ist folgender: Pf alzgraf Hugo v. Tübingen war ver­ 
mählt mit Elisabeth, der Erbtochter des 1160 verstorbenen Rudolf , des letz­ 
ten der alten Grafen v. Bregenz, und wurde der Erbe der ausgedeh nt en 
Eigengüter der Bre genzer Grafen in- und außerhalb des heutigen Vor­ 
arlbe rg. Elisabeths Mutter war Wulfhilde aus dem mäc htigen Hause der 
Welfen, die Schwester Herzogs Welf VI. v. Ravensbur g-Altdor f. Trotz 
der nahen Verwandtschaft stand der P falzgraf in kein em freundschaft­ 
lich en Verhältnis mit den Welfen , da er, wie es heißt, bezüglich der 
Mltgift sein er Gemahlin durch die Par tei der Mutter verkürzt worden 
sei und den We lfen ihrerseits die neue Nachbarschaft im Suden nicht 
behagen mocht e und sie sich gerade zu um die Hoffnung auf das Bregenzer 
Erbe betrogen sahen. Ein geringfügiger Anlaß brachte den Stre it zum 
Aus bruch. Es geschah nämlich, daß der Pf alzgraf drei Straß e nränder 
fing, von denen zwei seine eig enen Leut e, der dritte aber wölfisc h war 
Die erst en ließ er laufen, dies en knüpft e er auf. Geford erte Genugtuung 
verweig ert e er, und zwar, wie es scheint, aufgemuntert von Herzog Fried ­ 
rich IV. v. Schwaben, dem Sohn des früheren deutscheil Kö nigs Kwn- 
rad III., welcher beständig mit den W elfen im Streit gele gen war. Der 
alte Welf VI., ein gutmütiger Herr, ließ den Handel ruhe n, nicht so sern 
Sohn Welf VII. Als sein Vater in Italien weilte, rückte er mit Bundes­ 
genossen vor die Burg Tübingen und belagerte sie. Aber Pfalzgraf Hugo, 
vom Schwabenherzog unterstützt, bracht e durch einen unerwarteten Aus­ 
fall am 5. September 1164 dem jungen Welf eine solche Niederlage bei, 
daß er nur mit Not aus seine Burg Achalm en tkam. Im weiteren Ver­ 
lauf der Fehde wurden die Besitzungen des Tübingers durch bett aus 
Italien herbeigeeilten alten Welf verheert. Der Schwabenherzog kam dem 
Pfalzgrafen aberm als zuhilfe, diesmal unglücklicherweise sogar mit den 
berüchtigten Böhmen. Dre Welfen wurden verjag t und unweit ihrer 
Residenz Rav ensburg gründlich aufs Haupt geschlagen Nun fuhr der 
regierende Kai ser Friedrich Barbaros sa dazwischen; er entbot die Par­ 
teien im Mürz 1166 nach Ulm. Da er die Macht der Welfen, von denen 
der Neffe Welfs VI., Heinrich der Löwe, die Herzogtümer Bayern und 
Sachsen besa ß, zur Durchführung seiner italienischen Pläne brauchte, ge­ 
bot er dem Pfazgrafen bet Androhung der Reichsacht, sich seinen besiegten 
Feinden zu unterw e rfen. Und da tat Hugo wirk lich einen Fußfal l vor 
dem jungen Welf. Trotzdem verschmähte^ dieser unfaire Gegner^es nicht, 
ihn gefangen zu nehmen und auf das Schloß Neuburg in Currätien 
fuhr en zu lassen. Hier blieb Hugo anderthalb Jahre bis zum plötzlich 
erfolgten Tode des jungen Welf im Her bst 1167 in Haft °) 
Es frägt sich nun, was für ein Sc hloß Nef tburg in Cur­ 
rätien in die ser Angabe gemeint ist. Denn es gab damals zwei Bur­ 
gen dieses Nantens und beide im Rheintal gele gen, nämlic h dre in Vor­ 
arlberg bei Götzi s und die bei Untervaz nördlic h von Chur. Neuere Au­ 
tor en, wie Stülin und Sc hmid mit Zösmair , entscheiden sich im Gege n­ 
satz zu den älteren, wie Fortunat Sprecher und Bucel in, denen sich Berg­ 
mann an sch ließt, für erstere. Die Ansic ht, die für die v or ar lber gische Neu­ 
burg eintrttt, durste wohl die al lein rich tige sein. Denn einmal spricht 
hiesur die weit be deu tsamere Rolle, die unsere Burg spielte, und ihre viel 
G) Dr. L. Schmid: Gesch. d. Pfa lzgra fen v. Tüb., 1853, S. 77—94. 77—94.
	        
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