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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 1

Adel und Adelssitze im 
allgemeinen. 33 
Ramschwag und Jagdberg , dürsten in der ersten Zeit Wohl ebensoviele 
Brenn- und Ausgangspunkte der Germ anisi er un gsbes trebungen im Ober­ 
land gewesen sein. Solche n Bestrebungen kam überhaupt schon das dama­ 
lige deu tsche Königtum weitgehend entgegen, und war dies ganz im 
Sinne der staufischen Politik gele gen, die รุ. B. Kai ser Frie drich Barba­ 
rossa dadurch betätigte, daß er ganze Kolonien aus Schwaben in die räti- 
schen Berg taler versetzte, um sich der dortigen Alpen passe nach Italien zu 
versichern. °) 
Die Namen unse rer Bu rgen betreffend, galt in der früheren Pe­ 
riode ihres Baues als Rege l, die Schlösser ein fach nach den Orten, in 
oder ber welche n sie entstanden, zu benennen: Veste Bregenz, Ems, Rank­ 
weil, Feldki rch (in späterer Zeit) , Nenzingen, Bürs, Nüziders (d. I. Son­ 
nenb erg) usw.; nur wo eine bedeutendere Ortscha ft nicht unmi ttelbar vor­ 
ha nden War, erfand man besondere Namen, wie: Sigberg, Neuburg; letz­ 
tere Benennung mo chte in Erinnerung an den Stammsitz am Herkunfts­ 
orte des von dort wegziehend en Ade l sgeschlechtes gewähl t worden sein. 
— Wenn auch meist die Adel igen sich von ihren Burgen benannten, so 
find en wir doch auch das Umgekehrte, daß nämlich der Name des Ge­ 
schlechtes für ihren adeli gen Sitz namengebend wirkte, wie in uns erer 
Gegend die Burgen Montfor t (Montfort-Feldkirch, Alt- und Neu-Mont­ 
fort) von dem ins Land eingewa nderte n Ministerialengeschlecht derer v. 
Montfort und dann ihren von dies em sich benennenden gräflichen Her ren 
den Namen führen; das Gleiche gilt von den Burgen Schellenberg, die 
von dem aus Oberbayern eingewa nderte n Ritte rgesc hlech te dieses Namens 
benannt sind. — Spater ließ man die Phantas ie mitspielen und erfand 
poetische ร่06รุ(ท่0)ทนท06ท, die zum Teil auch an Stelle der alten Namen er- 
ichei nen: Sch warzenh orn, Jagdberg, Blumenegg, Rosenegg, Sonnenbe rg. 
— Wenn zur ursprünglichen Burg später eine neue erbaut wurde , so un ter­ 
schied man die beide n Burg en durch den Beisatz „Alt" oder „Neu": Neu­ 
Ems, Neu-Montfort, Neu-Schellenberg. — Die Lage der Burg im deut­ 
schen oder im (sruheren) romanisc he n Sprachgebiet ward ebenfall s öfters 
in einem Zusatz angeg eben: Wälsch-Neuburg (bei Chur), Wälsch- Ramsch - 
wag (bei Nenzing). — Schließlich bildeten sich mit der Zeit hie und da 
vol kstüml iche Benennungen, von denen die eine oder and ere später zu 
allgemeiner Annahme gelangte: Pfannenberg = Hohen-Bregenz zufolge 
gleichzeitigen Besitzes des Schlosse s dieses Namen s Pfarmenberg tn 
Steiermark seitens des Bregenzer Grafen Hugo III. v. Montfort, des 
Minnesängers; weiters Glopper; Hörnlingen; Schattenburg; Stellveder?') 
Das Verbr eitun gsge biet unserer Burgen erstreckt sich von 
der Nordgrenze des heutigen Vorarlberg durch das ganze Rheintal bis 
zur Südgrenze Liechtenstems und das Jl ltal hinaus iu 'das Mont afon 
und Klo ste rtal; nur der Bregenzerwal d und die beiden Walsertäler, also 
gerade jene Gebirgsge ge nde n des La ndes, deren Bewohner die durch 
ihren Unabhängigkeits- und Freiheitssinn vor alters schon unter den 
Übrigen Landeskindern hervortraten, weise n keine Bu rgen ober Herren­ 
vesten auf. 
'°) I. B. Büche l, in: Gesch. der Herren v. Schellenberg, im Jahrbuch d. hist. Ver. f. 
Liechtenst. VII. (1907) , S. 14. 
n) Zösrnair in: Feldk. Ztg. 1885, Nr. 52; Erklärung diese r Namen in den betreffende n Burgenbeschreibungen.
	        
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