Adel und Adelssitze im
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Ramschwag und Jagdberg , dürsten in der ersten Zeit Wohl ebensoviele
Brenn- und Ausgangspunkte der Germ anisi er un gsbes trebungen im Ober
land gewesen sein. Solche n Bestrebungen kam überhaupt schon das dama
lige deu tsche Königtum weitgehend entgegen, und war dies ganz im
Sinne der staufischen Politik gele gen, die รุ. B. Kai ser Frie drich Barba
rossa dadurch betätigte, daß er ganze Kolonien aus Schwaben in die räti-
schen Berg taler versetzte, um sich der dortigen Alpen passe nach Italien zu
versichern. °)
Die Namen unse rer Bu rgen betreffend, galt in der früheren Pe
riode ihres Baues als Rege l, die Schlösser ein fach nach den Orten, in
oder ber welche n sie entstanden, zu benennen: Veste Bregenz, Ems, Rank
weil, Feldki rch (in späterer Zeit) , Nenzingen, Bürs, Nüziders (d. I. Son
nenb erg) usw.; nur wo eine bedeutendere Ortscha ft nicht unmi ttelbar vor
ha nden War, erfand man besondere Namen, wie: Sigberg, Neuburg; letz
tere Benennung mo chte in Erinnerung an den Stammsitz am Herkunfts
orte des von dort wegziehend en Ade l sgeschlechtes gewähl t worden sein.
— Wenn auch meist die Adel igen sich von ihren Burgen benannten, so
find en wir doch auch das Umgekehrte, daß nämlich der Name des Ge
schlechtes für ihren adeli gen Sitz namengebend wirkte, wie in uns erer
Gegend die Burgen Montfor t (Montfort-Feldkirch, Alt- und Neu-Mont
fort) von dem ins Land eingewa nderte n Ministerialengeschlecht derer v.
Montfort und dann ihren von dies em sich benennenden gräflichen Her ren
den Namen führen; das Gleiche gilt von den Burgen Schellenberg, die
von dem aus Oberbayern eingewa nderte n Ritte rgesc hlech te dieses Namens
benannt sind. — Spater ließ man die Phantas ie mitspielen und erfand
poetische ร่06รุ(ท่0)ทนท06ท, die zum Teil auch an Stelle der alten Namen er-
ichei nen: Sch warzenh orn, Jagdberg, Blumenegg, Rosenegg, Sonnenbe rg.
— Wenn zur ursprünglichen Burg später eine neue erbaut wurde , so un ter
schied man die beide n Burg en durch den Beisatz „Alt" oder „Neu": Neu
Ems, Neu-Montfort, Neu-Schellenberg. — Die Lage der Burg im deut
schen oder im (sruheren) romanisc he n Sprachgebiet ward ebenfall s öfters
in einem Zusatz angeg eben: Wälsch-Neuburg (bei Chur), Wälsch- Ramsch -
wag (bei Nenzing). — Schließlich bildeten sich mit der Zeit hie und da
vol kstüml iche Benennungen, von denen die eine oder and ere später zu
allgemeiner Annahme gelangte: Pfannenberg = Hohen-Bregenz zufolge
gleichzeitigen Besitzes des Schlosse s dieses Namen s Pfarmenberg tn
Steiermark seitens des Bregenzer Grafen Hugo III. v. Montfort, des
Minnesängers; weiters Glopper; Hörnlingen; Schattenburg; Stellveder?')
Das Verbr eitun gsge biet unserer Burgen erstreckt sich von
der Nordgrenze des heutigen Vorarlberg durch das ganze Rheintal bis
zur Südgrenze Liechtenstems und das Jl ltal hinaus iu 'das Mont afon
und Klo ste rtal; nur der Bregenzerwal d und die beiden Walsertäler, also
gerade jene Gebirgsge ge nde n des La ndes, deren Bewohner die durch
ihren Unabhängigkeits- und Freiheitssinn vor alters schon unter den
Übrigen Landeskindern hervortraten, weise n keine Bu rgen ober Herren
vesten auf.
'°) I. B. Büche l, in: Gesch. der Herren v. Schellenberg, im Jahrbuch d. hist. Ver. f.
Liechtenst. VII. (1907) , S. 14.
n) Zösrnair in: Feldk. Ztg. 1885, Nr. 52; Erklärung diese r Namen in den betreffende n Burgenbeschreibungen.