Riedenburg. 375
hundert eine Burg, „Niedeggc" genan nt.3) Se iner Bede utung nach dürfte
der Name vielleicht das Gegenstück zu „Hohenegg" bezeichnen. Den Na
men Niedegge (Neidegg) füh rte die Burg nach einem schwäbischen Dienst
man nenges chl echt, welches sie besaß.4 *) Tue Stammburg dieser Edlen oder
He rren V^Niedegge oder N e i d e g g ist Schloß Neidegg bei Jsny
(Ob.-A. Wan gen), am rechten Ufer der unter en Argen. Das Geschlecht war
wie in seiner Heimat so auch in der Umgebung von Bregenz begütert.
Erst mals ist sein Name aus der Zeit von 1217—33 beurkund et . Damals
hatte ein Heinrich v. Niedegg dem K loster Weißenau ein Gut in
Wolsurt bei Bregenz weggenommen unter dem Vorwande, damit von der
Aebtissin von Lindau belehnt zu sein, und war dafür dem Ki rchenbann
anheimgefal len. Da er schließlich vor dem in der Lindauer Kirc he zusam
mentretenden Schiedsgerichte nicht einmal zu erscheinen wag te, sprach
dieses das Gut dem genannten Kloster als frei es Eigen zu. °) Derselbe
Heinri ch erscheint auch in einer Urkund e von 1239, Dezember 3., wo er
ein Schiedsurteil, gefäll t zu Leutkir ch betr effs eines zwischen den Klöstern
Kemp ten und Jsny stri ttigen Wa ldes mitbe ze ugte.6) 1290, Novemb er 23.,
kommt wieder ein H(e inricus) de N i d e g g als Zeuge vor in einer
Verkaufsurkunde, ausgestellt durch Graf Rudolf v Montfort an den Abt
Joh ann des Klosters Mehrerau.7 89) Wahrscheinlich ist d ieser H e i n r i c u s
derselb e, der in Urkunden von 1286 und 1295 b) als königl iche r Landrichter
auf Leutkirc h er Haide erscheint. Ein Ru dolf „nobilis de N i d e g k mit
seiner Frau Hiltrud sch enkte 1281 auf der Burg Lochen bei Bregenz
dem vera rmten K loster Weißenau feine Güter zu Lochen, Bregenz, Hofen,
sowie im Schwäbischen nebst einer Menge von Leibeigenen, die drese Gü
ter bebauten;ö) derselbe Rudo lf v. Nyde gg, Ritter, ist es auch, der
unter dem 4. Juli 1283 Hof und Gut zu Lochen an die Sreche n in Aeschach
bei Lindau verkaufte.10) Noch im 14. Jahrhundert erscheinen wiederholt
urkundlich Vertreter des Geschlechtes bei Rechts handl unge n, die unser
Land betreff en. x)
=) W.-Merkle, II., ร. 343.
’) Siehe Baumann: Gesch. d. Allg., I., ร. 499 f.; II ธ. 540 f.; III., ธ. 247, 507; Georg
Keckeis: Zur Eesc h. d. Riedenburg, in Arch. f. Gesch. น. Ldkd., I. 1904/05)7 ริ. 5—8, 11—16 ;
b-s. ธ. ธ;-- 7; W.-Merkle, II., 34 3—6. _
°) Helbok, Reg. Nr. 390; Baumann aa. O., I., ธ. 499 f.
4) Reg. Nr. 405; Heß, Monum. Guelph., ร. 228.
■) Mehrerau. A. (tin Landesa.).
8) ebb.
9) Baumann, II., ร. 540.
“) Würdinger, Urk(-Ausz. z. Gesch. d. Stadt Lindau, in SBG. Bo densee, I., Anh. ร. 6.
l) Keckeis, aa. O., ร. 6.
-) Würding er in SBG. Bodensee, III. (1872), Anh. ร. 30, Anin. 2, wobei jedoch zu
bemerken ist, daß schon vor 1530 Angehöri ge dieses Gesc hlechtes in Ravensburg verbürgert
ersch ein en.
In der zweit en Hälfte des 14. und im 15. Jahrhdt. treten einzelne
Famil iengli eder als Bürger und Patrizier von Lindau, Ravensburg und
Wangen auf, waren aber z. T. b ereits nicht mehr im Besitze der Adels
freihe it ihrer Ahnen. In Lindau ersche inen die Neidegg oftmals urkund
lich in der Zeit von 1286 bis 1530; hier bekleideten sie die höchsten Ehren-
mnter der Stadt und machten auch große Schenkungen an das dortige Spital.2)