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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 1

42 Das „Haus" der Gra fen in der Bregenzer Oberstadt. 
r i ch i n g e r bekannt ist. Dies Geschlecht gebot in we item Bereiche Süd­ 
deutschlands; in Ober- und Unterratien, im Rheingau, im Argen- und 
Linzgau, im Alp- und im N ibelgau. Von ihm zweigte sich das Dynasten­ 
geschlecht derAltenGrafenvo n B rege ns, und von diesen in weib­ 
lich er Lime jenes der Grafe n von Montfor t und Werdenber g ab. 
Ueber die Herkunft und die Anfän ge der Udalrichinger hat die ge­ 
schichtliche Forschung bisher noch keine völli g sicheren Ergebnisse erzielt. 
Das geschichtliche Dunkel, in das die Herku nft der schwäbischen He rzogs­ 
und Grafenfamll ien gehüllt, ist heute insofern erhellt, als man nun weiß, 
daß die Alaholfinger, Welfen, Beringer und Würtemberger von einem 
gemeinsamen Urstamm Herkommen. Dem alaholfi ngisc h en Geschlechte ge­ 
hörte Herzog giebt an, dessen Tochter Jmma die Stammutter der Udal­ 
richinger wurde. Die ser Settenl ini e entst amm ten Hildegard, die Gemahlin 
Karls des Groß en, und ihr Brr tder Ulrich, der Begrü nder des udalrichin- 
gischen Hauses. Herkunft und Name des Gemahls der Jmma sind bisher 
noch nicht sicher festge stell t. 
Vanotti^) le itet den Ursprung der Udalrichinger zurück auf die seit dem 9. Jahr­ 
hundert so bedeutende, von den alten alamann ische n Herzögen stammende Burkard'sche Fami­ 
lie. — Nach Weizenegger-Merkle2 3 4) reicht der Ursprung diese r Grafen , die bei ihm 
Gra fen von Buchh orn und Bregenz genannt werde n und eben die ältesten Grafen des Linz- 
und Argengaues waren , ins 7* Ja hrhund ert zurüc k auf den al amannis chen Herzog Gotfrid 
(ge st, um 709), von dem sie in weiblicher Linie abstammen sollen. — Herzog Gotfrids Ur­ 
enkelin Jmma (Emma, Hemma), deren Brud er Rodbert I. 784 den Linz- und Argengau 
verwaltete, re ichte nach Bergmann^) einem langobardischen Großen, wahrscheinlich des 
Namens Hildeb ran d, wenn die dun kle Ueberlieferung hier richtig wer fe, ihre Hand. Di eser 
hätte als päps tlich-fr ä nkis cher Anhänger infolge antinationaler Teilnahme zugunsten der 
Karolinger aus sei ner Heima t entfliehen muffen und sei von dem Karolinger Pipin ausge­ 
nommen und entschädigt worden. — Nach E. Kn apps) hat Imma's Gemahl, wahrschei nlich 
des Namens Gerold d. Aeltere, einem f ch wäbisc h-a lam a nnischen Geschlechte 
angehört. — Nach ZöS m a ir 0) war Jmma, die Tochte r des alamannisch e n Stammesherzogs 
Nebi (Hna bi), mrt dem ältesten Spr ossen des fränkischen Grafengeschlechtes der 
Udalrichinger vermählt. Dieses vornehme Frankengesc hlec ht sei nach Unterwerfung und Auf­ 
lösung des alten Stammesherzogtums Alamannien noch in der ersten Hälf te des 8. Jahr­ 
hunderts in dieses Land gekommen und hätte sich also mit dem abgesetz ten Her zogsh ause ver­ 
schwägert; es sei auch in Schwaben und in dem hie mit bald nachher verbundenen Churrätien 
reich begütert worden und zu Rang und Ansehen gekom men. — 
2) Gesch. d. Graf. v. Montfort น. Werdenberg, S. 5. 
3) Vorarlberg, IL, S. 6 
4) Landeskunde, S. 88. 
"') Die Ulriche, ein frühm ittelalterliches Gr af en geschlecht am B odensee, in Bodensee- 
Gesch. V., H. 36 (1907), S. 18. 
°) In: Gesch. Rudolfs d. letz ten der alten Gra fen v. Bregenz (1097—1160): Bodensee­ 
G. B. H7 44 (1915 ), S. 25. 
Als Imma's Kinder nennt uns die Geschichte: Hildegard, Ge­ 
rold und Ulrich I. Mit Hildegard vermahlte sich in zweite r Ehe 
771 Karl d. Gr. Sie war eine ausgezeichnete Frau und die Mutter Kaiser 
Ludwigs d. Frommen. Durch diese Verbindung gelangte das ganze Ge­ 
schlecht zu höchstem Glanz und Einfluß. Dem Gerold üb ertrug Karl d. 
Große die Stat thalterschaft oder Mar kgrafschaft in Bayern. Ulrich I. 
wurde durch seinen Schwager, Kais er Karl, mit der Verwaltung vieler 
Gaue betraut^ durch Vererbung und die Gunst der folgenden Herrscher 
kamen seine Nachkommen allmählich in den Besitz fast aller jener Gaue, 
die über Vorarlberg und seine Grenzl änder sich erstreckten: Linz-, Argen­ 
Alp- oder Allgau , Rheingau und der ganze churr ät ische Gau. Ulrich gilt gilt
	        
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