420 Dornbirner Burgen.
die ser Tradition ein geschichtlicher Kern zugrun de li egen und könnten wir
sonach eine Einwander ung in Dornbirn von der westlichen Rheintalseite
herüb er mit einer gewissen Wah rs chei nlichkeit an neh men.6) Wie ande r
wä rts, so hatte das Stist auch in u nserm Dornbirn einen größern Kloster-
Hoß sogenann t en Kellhof. Solche Kellh öse umfaßten in der Regel zahl
reiche Huben oder Knechtsgüter mit da rauf häufenden hörigen Familien;
die Gutsverwaltung eines solchen Besitzko mplexes war dem Maier
(Villicus), auch Keller (Cellerarius) genannt, übertragen. Der Dorn
birne r Kell hos mocht e sich hauptsächlich über die heutige Parzelle Kehle n
ausgedehnt hab en, in deren Namen noch die Erinnerung hieran zum
Ausdru ck komm t. Bald dürste das Kloster auch hier wie an den ander n
ihm unt er worfenen Orten un m ittelbar die Seelsorge der Hörigen wie
auch der and ern Bewohner bestritten haben.
Vielleicht schon im 10., sic her aber im 11. Jah rhun dert waren die
Grafe n von Buchhor n (nächst dem heutigen Friedrichshafen) im
Besitze von Dornbirn. Sie waren ein Zweig des udalrichingischen Ge
sch lech tes, dem auch die Alten Grafen v Bregenz entst amm ten. Der letzt e
Buchhorn er Graf Otto II. (f 1089) üb ergab kurz vor feinem Tode trotz
Widerspruches der Bregenzer Grasen als der nächstberechtigten Erben
seinen ganzen Besitz an Herzo g Welf IV. von N ordgau, dessen Geschlechte
Ottos Gemahlin Bertha angehörte. Welf scheint diese Ueb ergabe der
Buchhorn er Allo de von Otto im Zuge damaliger kriegerischer Verwic k
lungen erzwun gen zu haben. Der Jnvestiturstrert hatte nämlich in Süd
de utsch land heftigen Bürgerkrieg entfacht. Otto v. Buchhorn hielt mit dem
Stift St. Galle n zu Kai ser Heinrich IV., während die Welfen, die Bre
ge nzer Grafen und ander e auf Seite des Papstes Gregor VII. und des
gegen Heinric h aufgestellten Gegenkönigs, Herzog Rudolfs von Schwaben,
stan den. Da in dies em Krieg den Bregenzer Grafen von ihren Gegnern
übel mitg esp ielt worden, vergalt ihnen dies Herzog Welf durch Ver
wüstung der st. ga llischen Besitzung en; in Zusammenhang mit jenen Er
eignissen dürf te dann auch die Aneig nung des buch hor nischen Erbes durch
Welf zu setzen sein.
Damals also, im Jnvestiturstreit, und noch später , da um das Jahr
1123 anläßlich einer zwiespältigen Abtwahl in St. Galle n wiederum hef
tige Fehde zwischen den Prätendenten entstand, dürf te dem Stifte auch
in Dornbirn der größt e Teil feines Klostergutes entfremdet worden sein.
Durch Vermitt lu ng der wölf ischen Familie, wahrscheinl ich Herzog
Weiss IV. und wohl auch seines Sohnes, Welf V. von Bayern, erhie lt
die welfische H auss tiftung, das Benedi ktiner klo st er Weingar
ten, Besitz in Dornbirn, und zwar wohl schon um das Jahr 1094 und
dann wiede r bald nach 1100 Der wichtigste Besi tzanteil des Siiste s waren
das Patronatsrecht und der Kirchen satz sowie zwei Teile des Kirchen
zeh nten in Dornbirn. Diese Rechte erhiel t das Kloster jedenfalls aus Wel-
fenhand, ob unmittelbar aus dem Buchhor ner Erbe oder aus vormals
st. gallischem Besitz, mag dahin gestell t bleiben.
Ungefähr zu gleicher Zeit erscheint das F r a u e n k l o st e r 0. ร. B.
Hofen bei Buchhorn, eine Stiftung der vorgenannten Gräfin Berta v.
') Dgl. Zösmai r, D. Ortsnamen Vr lbgs. น. Liechtenste i ns aus Personennamen (1921),
S. 12.