Burg und Lieb frau en kirche Rankweil. 461
Rudolf IV. gestorben 1390, vergabte unterm 29. Juli 1378 das Patronats
recht über die Marten-Pfarrkirche in Rankweil soivi e gleichzeitig jenes
über die Ulrichskir che in Götz is dem Domstift Chur. ■') Das lehensherrliche
Verhältnis aber änd erte sich wieder beim Uebergang der Herrschaft
Feldkirch an das Haus Oesterreich 1390. Denn zehn Jahre später erscheint
Herzog Leopold IV. von Oesterreich als Lehensherr der Liebfrauenkrrche
Rankweil; mit Urkunde vom 2. Juli 1400 überläßt er nämlic h diese Kirche ,
die er sein herzogliches Lehen nennt , dem Klarissenkonvent Von Valduna.
Der Konvent erhielt das Rec ht, alle Nutzung en, Fruch t und Weinzehnten
von der Kirche zu bezi ehen, mit Ausnahme dessen, was dem Domkapitel
Chur jährlich ge bührte, und mit Vorbehalt der österreichischen Lehenschast
über die Leutpries ter ei da selbst. 6)
3. Die Veste Ra nkweil und ihre einst igen Inhaber.
Schon in alter Zeit erkannte man die wichtige Bede utung und für
einen Burg bau wie geschaff ene Lage des Frauenberges. Sona ch erscheint
vs als ganz verlock e nd, die ser Höhe den Standort der vielgesuchten und
örtlich noch nicht völlig festgestellten römischen ,,C l u ท t ๙' zuzuweisen, ’)
wenn auch die Anna hme, daß diese römische Station auf die gerade ge
genüberliegende Höhe zu verlege n sei, noch mehr Wahrscheinlichkeit hat. )
Diese Höhe heißt noch Gastra (Gas chtra) — cast ra, Lager , Waffenpla tz, und
hat entschieden strategische Bedeu tung, schon wegen des hier sich öffnenden
Zuganges in die Sattejnser Gegend, den Jnner-Walgau, und mag das
Zen trum eines ausgedehnteren Vertcidigungssystems gewesen sein. Auf
letztere s deut et vielleicht auch der Name des be nachba rten Batschuns
(— Bastio nes? ) und der „Spiegelstein" (von spe cula — Warte?) ober
halb der Heidenbu rg bei Pfit z, Gemeinde Göfi s.3) Immer hin mag auch
bei dieser letzteren Annahme der Frauenberg wegen sein er mutmaßlichen
Einbeziehung in das Befc stigungssyst em der Römerstation schon damals
einen Wehrbau getrage n hab en. Wenigstens dürfte dies für die ostgoti s che
Zeit um~500 nicht mit Unrecht anzunehmen sein, als vermutlich Vinomna
an die Stelle von Clun ia trat, das sonst in dies em für Besiedlung so ge
eigneten Geländ e spurlos ve rsc hwunden wäre, so aber nur unter and erem
Namen und mit einer geringfügigen örtlic hen Verlegung weiter fort
be stand.
Als ziemlich sich er aber kann es gellen, daß die Burg auf dem Frauen
berg im Anfang des 9. Jahrhunderts der Sitz des mächtigen Mark grafen
oder He rzogs H u n f r i e d (Umfred ) war. Dieser, der Sohn eines Palast
beamten Karls d. Gr., war zue rst Markgr af von Istri en und wurde dann
von Kaiser Karl zu seinem Statthalter und Herzog von Churrätien er
nannt, nac hdem bis dahin die weltl iche oder gräfliche Gewa lt mit der
0, °) Urk. nl'gedr. in: Oesterr. Geschichtsforscher von Chmel, II., S. 40, Nr. 22 und bei
Rapp, I.,. ธ. 414—16 ; vgl. ebd. ธ. 673 f.
") Reg bei Lichnowsky, Gesch. d. Haus. Habsb urg, VII., Reg. Nr. 414 des II. Nach
Rapp, aa. O., ธ. 674; vgl. ebd. 681; Ludewig: Das ehcm. Klarissenklostcr in Va lduna
(1922), ร. 27.
’) Vgl. Al. Reich, aa. O., 3g. VII (1911), ธ. 50, Anm. 2.
^) Siehe oben, ธ. 17 f.
๓_ Sander in: Spaziergänge in Vorarlberg, im Boten f. Tir. น. Vr lb., 1878, Beilage
Nr. 159 f. a a