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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 1

462 Burg und Liebfrauenkirche Rankweil. 
geistlichen Würde des Bischofs von Chur vereinigt ge wesen. Die Tren­ 
nung der Gewalten ward vorgenommen im Interesse der Einheitlichkeit 
der Staatsregierung und vielleicht auch mit Rücksicht auf die damallgeu 
räuberischen Einfälle der Sarazenen und Ungarn, deren Abwehr einen 
stark en Arm erforderte, ft Hunfried erscheint Urkundlich erwähnt in der 
Zeit von 806/807 bis 823. Er ist auch der Stifter des schwei zerifchen 
Fr auenkl osters Schännis im Gaf terland ztvischen Wale n- und Zurchersee 
(gegr. 809). Wahrscheinlich ist auch er es, der seiner neuen Stiftung zur 
Ausstattung Güter im heutigen Dorfe Tosters verg abt hat. Hier zu „Ruti 
hin ter Toste rs", wo die alte Pfarr- oder Kornel i enki rche liegt, erstand ein 
herrschaf tlicher Hof mit einem den hll. Kornelius , Papst (gest. 252), und 
Cyprian , Bischof von C arthago (gest 258, beide am 16. September) ge­ 
weihten Kirchlein. Die Seelsorge hierselbst durch eiuen eigenen Leut­ 
priester mit Zehent r echt dürf te auf unse rn Grafen Hun fried zurückgehen. 
Gerade die Wahl des angeführten Kirchenpatroz in ium s, des einzigen 
dieses Namen s in unsere m Lande, scheint die Hunfried sche Gründung 
darzut un Denn um jene Zeit wurden durch Gesandte Karls d. Gr. die 
Reliquien des hl. Cypri an aus Carthago in das Frankenreich gebracht 
und nahm der Kult dieses Heiligen damals seinen Aufschwung; Hunfri ed 
selbst aber erscheint mehrfach als kaiserlicher Gefandter, so น. a. auf Corsica 
bei der Uebernahme von Heiligenreliquien, Geschenken eines maurischen 
Fürsten aus Jeru salem, von denen er ein kostbares Kreuz mit einem Hl. 
Bluipartikel für sich behalten durf te und an das Kloster Schännis ver­ 
eh rte. ft Möglicherweise war es auch unser Graf Hunfried, der das Haupt 
des hl. Papst es Victor aus Italien heimbrac hte und in die zum dortigen 
Königshof gehörige Kirc he auf dem St. Victorsberg, der nach di esem 
Papst benannt ist, verehrte.6) 
4) น. St utz: Karls d. Gr. divisio zwischen Bi stum und Grafschaft, Chur (1910). 
5) Zösmair : Zur Gesch. von Tos ters u. seiner gleichnamigen Burg, in Mus.-Ber. 43 
(1905) , S. 52 f.; Mone: Bad. Quel lensamml ung, I., S. 67 ff. 
®) Zösmair : Der Schottenkonvent auf dem St. Vict orsbe rg, in Mus.-Ber. 22 (1882), 
S. 42.7) 
Reg. Nr. 36. 
8) Reg. Nr. 7. 
9) Reg. Nr. 36; Planta: D. alle Rätien, S. 360. 
Graf Hun fried hatt e, wenigstens zeitweis e — er weilte vielfach in kai­ 
serlichen Geschäften auswärts — feinen Sitz in Rankweil, in „Venomnia 
IN Villa Unfre di comi tis" (ca. 822); ft hier faß er „in curte ad campo s in 
mallo public o" (so beispielsweise 806/808) ft zu Gericht , indem er als Gau­ 
graf Vorsitzender des dortigen Gau- und freien Landgerichtes war. Hier 
IN Rankweil nahm er auch im Jahre 823 (4. Juni) in seinem Hof („Villa") 
König Lothar, Kai ser Ludwigs d. Fromm en Sohn, bei des sen Rückkeh r 
von der Konigsk rönung aus Italien aus. ft 
Die Teil ung des Reic hes durch Kais er Ludwig d. Fro mmen an seine 
drei Söhne im Jahre 817 mocht e in der Folge den Anlaß gegeben haben, 
daß nun auch die Verwaltung Rätiens unter zwei Grafen geteilt wurd e: 
Hun fried waltete seines Amtes noch weit er in Unter-Rätren, wäh rend 
Ober-R ät ien süd lich der Lanquart einem Grafen Roderich über tragen 
wurde, der vermutlich seine Residenz im Königshofe Zi zers unterhalb 
Chur aufschlug. Hun fried hatte in seiner Grafschaf t oder wenigstens im
	        
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