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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 1

478 Burg und Liebfrauenkirchc Rankweil. 
freie Lan dgeri cht wurde in Müsinen gehalten, bis herna ch einmals ein Gespenst von et lich 
Fig uren erschrocklich anzusehen, aus Kastenholz auf das Landgeri c ht zugeeilt kam, ei nige 
vermeinten, es seien vermummte leb endige "Menschen gewesen/In dieser Not flohen die 
Her ren Richter und alle Anwesenden zu der Mutter Gottes zu Rankweil und rüsten sie um 
Hilf an mit Verloben, zu Ehren des hl. Fridolini und Magni eine Kapel zu bauen, sind 
also glücklich davon komm en... Nach die ser Zeit ist das Landgeri cht jed erzeit zu Rankweil 
im Dafe rn (in der Taf erne, dem heutigen Gemeindehaus) gehalten worden." 
In der Kapelle „ist ein Stein, formiert, füglich auf den Knieen zu be ten, dar auf soll 
der hl. Fridolinus gebeten hab en, als er vor dem Land geri cht einen Prozeß ver lieren 
sollte". Folgt die bereits bekannte Erzählung dieses Prozesses vor dem Gaugericht. Die an 
die sem Stein haftende Legende besagt folgendes: Als St. Fridolin mi'r seiner Klage gegen 
den ungerechten Laildolf vom Gaugerilhte abgewiesen wurde, ging er bekünrmert in den 
Wald ober Rankweil, um in der Einsamkeit Gott sein Leid zu klag en. Hier auf einem ha rten 
Stein hingesunken und im Ge bete ringend, hörte er die übernatürliche Stimme, die ihn auf­ 
forderte, den toten Urso von Glarus als Zeugen vor das Gerich t zu bringen, und im sel ben 
Mom ent fühl te er, wie der Stein na chga^ und er mit Armen und Knien in denselben ein­ 
sank, als ob dieser weic hes Wachs wär/ Da er in seinem ersten Schrec ken aufspringen woll te, 
sank er mit dem einen Knie, da diese s, wie es beim Aufstehen geschieht, für einen Augenblick 
die ganze Körperlast tragen mußte, noch tief er in den weichen Stei n, so daß sich hier eine 
noch größ ere Vertiefung als beim ander en Knie erga b. Die wunderbaren Eindrücke aber 
verhärteten sich und erstarrten alsbald und der Gottesmann füh lte in sich den Mut und das 
Vertrauen, das unerhörte Unterne hmen, einen Toten aus dem Grabe zu ruf en, zu wagei i. 
— „Vor diesem Stein sollen schon viele, die an Händ und Füß gro ßen Schmerzen gelitten, 
als sie darauf ihr Gebet zu der Mutter Got tes und dem hl. Fridolin verrichtet, davon 
befreiet worden sein." 
„Anno Christis 1233, wie man dafür hält,... ist das heilige Kreuz gefunde n 
wor den bei dem Fluß, Fru disch gen annt, we lche sich in die Früh st ürzt und die zwei Ga- 
richter Rankweil und Sulz sc heid-et, auf dem Sand neben dem Dörfle Muntlix, nicht weit von 
einem Br unnen, so noch heut zutag der heilige Kreuzbrunnen genennt wird. Ein Hirtenknab 
hat sol ches zuer st gesehen und den Leuten gezeiget. Es konn te auch kein Mens ch wissen, wie 
es dahin kommen sei und, da sich ein Andacht-Streit erheb're zwischen denen von Rankweil 
und denen zwischen dem Was ser (Zwischenwasser), wohin dieses Heiligtum aufbehalten wer­ 
den sollte, so konnte man mit einande r nicht Überein s kommen. Ein ganz unbekannt und ehr­ 
würdiger alter Mann gab den Rat, man solle es auf einen Wagen legen und davor ein 
Paar unbändige junge Ochsen spannen; wo diese damit hinfa hren würden, solle es bleiben; 
so geschehen. Sehet Wund er! Da sind die Oc hsen darmit durch den wilde n Fluß und Gesträuß 
hindurch und ohne Antrieb und Leitung gle ich nach Rankweil dem s chonen Maria Berg 
zugeeilet, selben bestiegen und dort sttllgehalten. Aus die sem ist sattsam zu erkennen, daß 
es durch die göttliche Vorsichtigkeit geschehen, daß dieser kos tbare Schatz auf so ungemeine 
Weise hieher gebracht worden, damit man selben wohl aufbehalte und andächtig ve^hre... 
Insgemein sagt man von diesem heiligen Kreu z, daß es über Nacht von seinem Wohnort 
nicht ausbleibe; denn als man vor vielen Jahr en nacher Maria Einsiedlen ein Pro zession 
ange stellt, auch notwendig über Nacht ausbleiben mußte, kon nte man das heil. Kreuz — 
nicht ohne große Bestürz ung und Leidwesen des gesamten Volkes — nicht mehr ansichtig 
werden, bis man wi eder nach Haus komm en und mit Erstaunung in der Pfarrkirche all hier an 
seine m au ser wählten Ort gefunden." Mit die sem Kreuz wird Kranken, bresthaften und be­ 
trübten Personen auf Begehren der Segen gegebe n; bei anhalt ender trockener Witterung 
„ent steht die ge meine Rede, bis die Rankweiler mit ihren heil. Kreuz nicht eine Pro zession 
anstellen, wird man kein güns tiges We tter bek ommen"; auch werde mit demselben bei Hoch­ 
gewitter mit Erfolg der Segen über die Fluren gegeben. 
„Woher* 2) dieses Bild" — das Rankweiler Gnadenbild — „ko mme, weiß man 
eigentlich ni cht. Die Mutter Go'r tes Bildnus im Chor ist schon in der Sch loßka pell ve rehrt 
wor den und viel tausend Mirakel gewirkt. Als anno 1647 der schwe dische König das Land 
ein genommen, wollte maii den Zi erat der Mut ter Got tes abnehmen und flüchten. Da hielt 
die^Mutter Got tes die Kron Mit der Hand, sagte: ,Ich will meine Sachen schon se lbst ver­ 
wah ren/ Ist auch geschehen, denn die schwedischen Soldaten haben die Kirche woll en beraube n, 
haben aber nicht den mindesten Schaden dem Gotteshaus kön nen zufügen. " 
10) S. 190. 
2) ธั๊.’ 220.’
	        
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