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Full text: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Band 1

St. Viner und der Adel von Nüziders. 533 
sorge noch im Verlauf des 6. Jahrhunderts schließen läßt ?) Diese Pfar re war die Mutter- 
vf arre von Braz, Dalaa s und K'Iösterl e, also der Klos terta ler Seelsorgen. Urkundlich wird 
die Pfarrkirche Nüziders erstm als genannt in den bekannt en Urkunden von 881, Jänner 4-) 
und 888, Jä nner 22?) — Das Vin eriuskir chle in inl Orte gilt als das ält este Got teshaus im 
ga nzen Wa lgau; es hat einen Kirchent itel der über Chur zu uns gelangten mai ländis chen 
Patrozinienschicht, die im wesentlichen auf die Zei,t von'zirka 350 —400 an gesetzt wird, aber 
wie ander e Schichten auch noch spater sich au swirkte. Das in Nüz iders zu Ehren des 409 
verstorbenen St. Vinerius gewidmete Kirchlein erstund viel leicht noch im Lauf des 5. Jahr­ 
hunderts. Den heute bestehenden Bau: Kirch e mit Turm, dürften wir wohl schon für die 
karolingische Zeit in Anspruc h nehm en; nach and erer Ansicht wäre er auf das 11. oder 
12. Jahrhundert anzusetzen. Die Kirche hat geräumige Vor halle (Pron aos) und reprä­ 
sentiert im Inn ern noch den byzantinischen oder wenigs tens frühromanischen Bau stil mit 
Tonnengewölbe, das in gleich er Weite Chor und Schif f überdeck^ und mit noch vor zwei 
Dezeni en vorha nden gewesenen schweren Bog enstel lun gen (1907 eingestürzt). Der seitwärts 
stehende Turm hat romanische Bogenö ff nungen; der spitzgie belige Turmaiufsatz gehört wahr­ 
scheinlich der gotischen Stilperiode an und hat Sattelda ch . 
Im Orte hatte auch das Kloster Pfäfers schon in jener frühesten Zeit einen Kl osterhof, 
„curt em in Nezudre", wenn an ders die davon berichtende Urkunde vom 9. Juni 8314 *) nur 
eine formelle, nicht aber auch zugleich eine sachliche Fälschung ist?) 
*) Vgl. Fa hrner: „Die Kirchenpatrozinien des Kant. Graubünden; im 54. Ihrber. d. 
hist, anti qu. Gesellsch. v. Graubünden. 
2) Reg. 83. 
3) Reg. 96. 
") Nicht 821, wie W.-Mer kle, II., S. 254 f., schreibt. 
6) Helbok: Reg. Nr. 49; vgl. Bergmann: Beitr. z. Krit. Gesc h., S. 50 f. 
") Vgl. oben, S. 198 ff. 
In Nüzide rs bestand , wenigstens schon in der karol ingische n Zeit, eine 
„curtis dominica", ein Herren- oder Königs- oder Reichshof, als 
des sen Inhaber im vo rhin zitierten Reichsurbar ein gewis ser Haltmannus 
bezeichnet wird. Wahrscheinlich war der Reichsböden von Nüz iders schon 
eh edem römisches Fiskal- oder Krong ut ge wesen, das dann ber der Ueb er­ 
nahme Raetiens durch die Franken (536) den merowingischen Königen als 
Staatsdomäne zufie l. In der Feudalzeit kam der Hof als Reichsgul an 
die damaligen Lan desher ren und wurde verer bbar es gräfliches Amts­ 
lehen, das zu erst die Alten Bre genzer G rafen, seit etwa 1160 ihre Nach­ 
folger die ersten Mon tfort er, dann die Werdenberger Grafen, und zwar 
die Grafen von Sargan s (seit der Teilung von zirka 1258, bezw. bald 
nach 1265) und die Grase n von Sargans zu Vaduz (seit zirka 1322).6) 
innehatten . Die Verwaltung des Fronhofes, der sowohl das in Selbst- 
bew irt schastung des Herrn stehend e Gut, das Sal land, als auch die den 
Höri gen zugewiesenen Teile, die kne chtische n Huben, umfaßte, oblag einem 
gräfli chen Beamten, einem Maier oder Hofm aier. Für einen solchen Hof- 
mhaber mag, in unsere m Falle schon in der karolingischen Epoche, an der 
Stelle der nachm al igen Burg Nuziders-Sonnenberg ein befe stigter Her­ 
rensitz besta nden haben, der dann etwa in der erst en Zeit der Werde nb ergi­ 
schen Herrschaft zur eig entlichen Burg sich ausgestaltete. Auf dieser nach­ 
maligen Burg Nüz iders saßen vermutlich gleich anfangs als Burgmannen 
ihrer gräflichen He rren die Ritt er von Nüziders, während unten 
auf dem gräflichen Hofe von St. Viner ihre Verwandten, di eEdle nvon 
St. Viner, als nunmehrige Hofmaier und gräfliche Verwaltungsbeamt e 
hausten . Schon die Vorfah ren der Rit ter von Nüziders und derer von 
St. Viner mochten auf dem vormaligen Königshof das Amt von Hof- 
maiern ausgeübt haben. 
Diese r herrschaftliche Hofma ier hatte bekanmtlich seit der Karolingerzeit die Ober-
	        
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