Burg
Alt-M ontfort . 99
daß es den Appenzel lern nicht schwer ward, ihren Sieg zu verfolgen. Sie verbanden sich
zuerst mit den Bewohnern der Stadt St. Gallen und stürzten alsdann, durch ihr Glück über
mütig gemacht, in wll den Scharen in das Rheintal herab. Das ganze linke Rhe intal mußte
ihnen zusc hwore n. Bereit s einen Monat nach dem Treffen am Stoß war es in ihren Händ en,
nur einige Bur gen ausgenommen .
In der zwe iten Hä lfte Juli rückten sie bereits auf das recht e Ufer herüb er, wo sich
ihnen zunächst die Bewohner des Eschner -( Schellen- )berge s ans chl ossen. Dann trat eine kurze
Pause ein indem mit Oesterreich em Waffenstillstand bis 8. September vereinbart wurde.
Aber noch während des selben griff die Bewegung weit er um sich. Ende Augus t traten Höchs t
und Fuß ach zu den Sieg ern über. Als Ne Waffenruhe zu Ende, ward von dort aus ein
Kriegszug gegen Feldkirch unternomm e n. Nach einigem Zö gern schloß die Bü rgerscha ft dieser
Stadt am 15. September 1405 mit den Aufruhrern und Feinde n der österreichischen Herr
schaft ein Bündnis, und dies Beispiel des Vorortes wurde das Signal zu einer fast allge
meinen Erhebung des Landes.
Die Bewohne r des Gerichtes Ran kweil, des Innern Breg enzer w aldes, des Walgaue s
und Montafons tra ten auf die Seite der Bü ndis chen. Nur Bluden z weige rte sich, mit den
Aufständisch en zu halten, befolgte aber endlich den Rat seines edlen Herrn, des Grafen
Albrecht IV. v. Werdenb erg- H eil igenb erg, und ließ sich in den Bund aufnehmen. Der Graf
hatte seine Untertanen der Pf lichten gegen ihn enthoben, damit sie dem Verderben der feind
lichen Uebermacht entgingen. Er selbst wurde von seinen treuen Untertanen nach dem All gäu
in Sicherheit ge bracht. — So war IM ga nzen Lande nur noch Bregenz, das standhaft sich
widersetzte und von Anschluß nich ts wissen wollte. In die sem „Bund ob dem See" war Feld
kirch diesseits, St. Gallen jenseits des Rheins das Haupt oder der Vorort. Der Bund war
nicht nur gegen den'Abt von St. Gall en und den Herzog Friedrich, sondern gegen den Adel
überhaupt gerichtet .
Der In grimm der freih eitsg ierige n Bau ern und Bürger kehrte sich zunächst gegen
die vielen Burge n, deren ade lige Vögte zumeist fest zu ihren Standesgenossen hielten und
die Auf gabe hatten, von ihren starken Sitz en aus das Land in Untertäni gkeit zu halten. Die
neue revolutionäre Eidgen os sensc haft trachtete daher vor allem darauf, die festen Schlö sser
in ihre Gewalt zu bekommen und unsc hädlic h zu machen.
Der Zerstörungszug begann mit der Belagerung des Sc hlosses Feldkirch durch die
Mrger der eigenen Stadt Feldkirch mit Hilfe ihrer neuen Freunde. Nach achtzehnwöchent-
Ucher Belagerung mußte sie Ende Jänner 1406 übergeben werde n. — In diese' Zeit der
Bel agerung des Schlosses Feldkirch fällt nun die Berennung, Einn ahme und Zerstörung
der meisten Burg en im oberen Vorarlberg, die wir jetzt noch in Trümmern sehen, und von
wohl nur schwa ch verteidigt gewesen sein mochte. Am Vorabend
vor Micheli 1405 rückten die Walgauer aus: sie nahme n und verbrannten die Vest en Iagd-
berg, Bl umenegg, Ram schwag und Bürs. Gl eichzeiti g wur den von den Eschnerbergern die
öeiden Bur gen Alt- und Neu-Schellenberg gebroche n. Noch während der Belagerung ihres
Schlosses griffen die Feldkircher die Burg Tos ters an, — jede nfalls, um sich den Ru cken
ftei zu halten und die Flanke zu decken, — nahme n und verbrannten sie am 25. November.
Darauf richteten sie ihren Angriff auf Alt-Montfort. Nach kurzem Widerstand ward
diese Burg am 6. Dezember 1405 genomm en und in Asche gelegt. Die Bu rgen Alt- und Neu
Ems wurden 1407 von den Appenzell ern, Walgauern und Fel dki rchern ein genommen und
geschleift ; desgleichen ward die Veste Fuß ach gebroc hen; die Einw ohner von Rheineck machten
ihre Burg dem Erdboden gleich. Raub und Brand bez eichnet en den Weg der züg ellosen
Scha ren: Götzis, Ems und Lauterach gingen dam als in Fl ammen auf. Bis ins Allg au nach
Staufen, Ellhofen und Kempten und andrerseits über den Ar lberg brs Imst dehnte sich der
Sieg es- und Verheerungszug der übermütigen Verbündet en aus.
Vor weiterem Vordringen wurden sie nur durch alarmierende Gerüch te von bedroh-
iichen Vorgängen hinter ihrem Rücken abgehalten. Graf Wilhelm IV. v. Montfort-Bregenz,
oeff en Stadt allein von dem neuen Bunde nich ts wisse n wollt e und ihrem Herrn treu blieb,
urachte den Appenzel lern und den anderen Adelsfeinden zu schaffen. Vor den Mau ern des
lösten Breg enz brach sich s chließlich auch das Toben der Aufruhrer. Auf Bregenz hatte die
^chuEbische Rrt tersc hast, bie für ihre eig ene Heima t zu fürc hten begonnen, ihre Hoffnung
’ »er auch auf der Ge genseite set zte man alles daran, dies letzte noch unbezwungene
^ollwerk zu erobern, und so zogen die Verbün deten vor die Stadt, die nun vom 22. Sep-
ท?7 13- Jän ner 1408 eine scharfe Belagerung aushalten mußte. Dam als ging
auch Schloß Niede gge (Burg Riede n, Riedenburg) in Trummer. Die Bürger von Breg enz
Sorten sich tapfer unter Anführung ihres vorgenannten Gr afen Wilhelm IV. v. Montfort-
-vregenz. Da trat frühzeitig eine ungewöhnliche Winterkä l te ein, so daß viele der Bel agerer