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Full text: Erdgeschichte Vorarlbergs

bei Hohenems, Reuthe bei Bezau, Mellau und Baad im Klei nen 
Walsertal; im jungen Gebirge Hopfreben, Bad Haslach bei Dornbirn, 
Bad Jnnerlaterns, das Schw efelbad Mehre rau und Diezlings. Auf­ 
fallenderweise besit zt die Urge birgszone bei uns keine nennenswerten 
Mineralquellen. 
Der ungeheure Druck , verbunden mit dem Anei nanderdahing leiten 
der zerbroche nen Gest einsschi cht en erzeug te auf den Br uchflachen als 
Rutschbahnen eigenartig geglättete und geriefte Flächen, den S p i e - 
g e l oder Harnisch. Sie kennzeichnen die Bruchli men und die Rich­ 
tung ihrer Ri efen gibt zugleich die Richtung der Schic htenverschi ebung 
an. An der unteren Jllsch lucht in Feldkirc h ist ein sehr großer Har nisch 
sichtbar. 
Ma nche Bruchlinien sind einsach, ihr geriefter Harnisch gibt zwar 
Kunde von starker Pressung, doch war die ausgelöste Bewegung nur 
geri ng, in dein sie zu keine r wesen tli chen Verschieb u ng der Stechten 
geführt hat. Solche^infache von Süden nach No rden gerichtete Bruch ­ 
spalten sind in der Molasse des Schwarzachtobels, des Gebhardsberges, 
Pfände rs und Rie derst eins, sowie in der Kreid e keine Selten h eit. 
Wenn an einer Bruc hspalt e ungleichartige, weil verschieden alte 
Schichten aneinander stoßen , so haben wir eine Verwer fung vor 
uns. Sie tritt besonders dann auffällig hervor, wenn der Verla uf der 
Schichtu ng der benachbarten Gesteinsschollen einem plötzlichen und 
starken Wechsel unte rworfen ist, wie das hier wiedergegebene Quer­ 
schnittsbild deutlich erkenn en laßt. (Fig 7.) 
Eine großartige Verwerfung in den Kloster taler Alpen hat 
Ampfere r bekannt ge macht^. Er nennt sie Formarinst orun g, 
weil sie den Formarinsee schneidet. Sie kommt von der Lagutzalpe 
her und zieht fast geradlinig durch den Form arinsee in süd licher Rich­ 
tung bis zum Radonatobel, wo sie ihre größt e Sprunghöhe von 600 
bis 700 m erreicht. Hier biegt sie nach พ um und ver läuft vom 
Spullersee aus langs der Sudostflanke des Schafberges über die 
Brazer Staf fel bis in die Stierlochalpe. (Fig. 8.) 
Das Jlltal von Vandans bis Ludefc h ist nach RichthofenH eine 
senkrechte Verw e rsu ngsspalte. Der östliche Tell ist gegen den westlichen 
gesenktz daher tret en am rech ten Muser bei Lorüns der oberrhätis che 
und Adnetherkalk im Tal zutage, wäh rend sie am linken Ufer erst in 
viel höherer Lage ersc heine n. 
Da die Gesteinsschichten zwische n Chur und Vaduz zu bei den 
Seit en des Rhei ns einander nicht entsprechen, so muß hier im Rhein tal 
eine Verwerfung stattgefunden habe n, deren Betra g von RothpletzH 
bei Chur auf 1000 m geschätzt wird. Um dies en Betra g erschein t das 
rechtsrheinische, östliche Gebirge gegenüber dem linksrheinischen, west­ 
li chen gesunken. Nordwärts von Vaduz sind im Rheintale be ider seits 
keine solchen Höhen untersch iede gl ei chalte riger Schichten bemerkbar, 
doch ist erkannt word en, daß die Kreidewellen zwisc hen Feldkirch und 
0 Ampferer (72). 
2) Richthofen (160). 
3) Rochpletz (16 2).
	        
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