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Full text: Streifzüge durch Vorarlberg

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Die Volksbildung in Vorarlbe rg ist, wie zum Teil 
schon aus dem G esagten hervorgeht, ziemlich vorgerüc kt . 
Die Schulen sind wohl bestellt und man läßt die Kinder 
überall gerne zum Unterricht; auch lerne n diese mehr, 
als man von der ku rzen Schul zeit die nur den Winter 
ausfüllt, erwarten sollte. Zur Zeit Kaise r Jos efs zei gte 
sich allerdings noch der hartnäcki gst e Widerstand gegen 
die Ausdehnung des Schulwesens; aber seitdem hat der 
vorarlbergische Verstand zur Genüge eing eseh en, daß in 
neuern Zeiten gute Schulbil du ng zum Fortkommen in 
der Welt ein wesentlicher Behel f sei. Einige Neigung 
zur Lektüre zeigt sich auch unter dem Ba uernvo lke. Bei 
den wohlhabenden Industriellen findet sich manches tech­ 
nische Buch, das in ihr Gesc häft einschlägt. In Feld­ 
kirch soll gegenwärtig eine Leihbibliothek errichtet wer­ 
den. Die beiden Gelehrten, deren sich Vorarlberg in 
der Gegenwart rühmen kann, nämlich Joseph Bergmann 
und Jodok Stül z, leben au ßerhalb des Landes. Weizen­ 
egger ist zwar schon lange tot, aber seine Tätigkeit trat 
erst durch die vor wenigen Jahren veranstaltete Her aus­ 
gabe s einer Schriften recht ans Lic ht. Er war ein eifriger, 
liebevoller Sammler, und hat viele schätzbare Nach­ 
richten mitgeteilt, die, was mit Dank anerkannt wird, 
auch die sen Sch i lderungen manni chfach zugute gekommen 
sind; doch fehlte ihm jene historische Kritik, wie sie die 
neuere Wissenschaft forde rt. Den Geistli chen ist Liebe 
zum Studium nicht abzusprechen, doch sind sie in der 
Regel so ärmlich dotiert, daß sie selbst beim besten 
Willen die Anschaffung der nötigen Hilfsmittel nicht 
erschwingen können. Auch fehlt ihren Bestrebungen das 
fördernde Band, ein Mittelpunkt, ja auch ein Orga n. 
Die neue ren Regungen zu Innsb ruck haben die Vorarl­ 
berger noch nicht heranzuziehen vermocht, wie denn der 
Gesichtskreis der letztern überhaupt mehr gegen den 
Bodensee, gegen Schwaben hin vergilt, als gegen Tirol.
	        
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