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Full text : Feldkirch. Die österreichische Stadt am Alpenrhein

inneningen an seine Knabenzeit in Feldkirch wach. Am 26. Juli 1850
schrieb er darü ber an seine Schwester:

„Ich muß Dir doch erzählen, wie ich den gestrigen Namenstag
des Großvaters feierte. Denkst Du noch daran, an die schönen Bals aminen
 in sei nem Gart en, und wie ich und (un ser Brud er) Ferdinand
einmal an einem schönen Sommernach mi tt ag mit zwei großen Balsaminenstöcken
 nach Hause kamen? Ich erinnere mich noch recht gut
und weiß, daß sie vor dem Fens ter im Grasmeyerschen Hause standen.
 Die Balsamine ist mir seit der Zeit gänzlich aus den Augen
geko mmen, nur hier in Wien ist sie ein Hauptschmuck der öffent-•
 li ehen Gärten, und so oft ich die hoc hroten Kelche auf dem röhrigen

und saftigen Stamm e, in dem Schatten ihrer Blätterpyramide sehe,
denke ich an Großvaters Gart en, an seine Birnen und Rein eclaudes ,
an seine Nankinghos e und seine Baumsäge und an die kleinen Marmortische
 in dem kühlen Gartenhaus. Ich denke an die ersten Vögel,
die wir vom gro ßen Pflaumenbaum scho ssen, und an die Landkarten
von allen deutschen Herren, womit die dritte Etage seines Gartenturme
 s tapezi ert war, ich denke an jene Jo hannisbeer säulen und an
die Stachelbeeren und an jenes kleine Bäumchen, das die „Griechen"
trug, deren Namen ich mir heute noch nicht enträtseln kann. Ich
sehe das Ei auf dem Strahl des Springbrunnens tan zen, ich rieche
den harzigen Ger uch der feuchten Gerberlohe, ich sehe die roten
Koralle n auf den ausgeschoss ene n Spargelstauden und die Pfingstnelken
 weich und duftend aus der Kap sel fa llen. Und das alles durch
die Balsaminen. Und so eine Blume soll man nicht lieben? Ich kaufte
mir also gestern bei einem Blumenmädchen einen Balsami nen sto ck
voll du nkelroter Blüten und trug ihn mit eige nen Händen in mein
Quar tier und stel lte das rotirdene Geschirr in einen Porzellantopf
mit blaue n Wicken umflochten, und so prangt die Balsamine in
meinem Zimmer und malt mir in alle Ecken die Erinnerungen an die
Jugend und läutet mir mit ihren zarten Glocken alle verklungenen
Töne ins Ohr, alle Eure Stimmen, und so trä umte ich von Euch."

In einem Brie fe an seine Angehörigen aus Wien vom 24. Feber
1852 schildert Gilm den Wiener Fasching, um dann plötzlich von der
Feldkircher Jugendzeit zu erzähl en: S5
            
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