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Full text: Die Aufhebung der Klöster in Vorarlberg unter Kaiser Josef II.

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In den 1480er Jah ren wurde an die Kirche die St. Anna^Kapelle, später 
Laurentius-'Kapelle genannt, angebaut. Nämlich 1484 auf St. Thomas-Abend , 
(20. Dez.) bewilligt Bruder Konrad von Wächingen, M) Komthur der Häuse r 
zu Tob el(l) und Veldki rch St. Joha nns-Or dens des Spitals zu Jerusaleni, 
dem Stop hel Schnezer und dem Ludwig Luts ch er,27) beide Bürge r und des Rats , 
3<) Iahrztb. z. 3. Mai a. a. O. S. 86. Rapp I. S. 85. 
35) Siehe Iahrztb. z. 25. April; S. 85. ' 
36) In Raet ia, Geneal. Teil: S. 468. 
87) Siehe Zösmair a. a. £>., S. 115; und: Der selbe mit Graf Walderdorff: Urf. Ausz. z. 
lbefch. d. Gefchl. v. Witt enbach, in Mus.-Ber. 34 (1895 ), S. 70. 
3S) Vgl über ihn: Bergmann: Der Genealog e p. Gabr. Bueelin, Benediktiner zu 
Weingarten und Prior zu St. Johann in Feldkirch, Sond.-Abdr. aus d. Si tzungsber. d. Kais. 
zu Feldkirch, Bett ern, daß sie an der Ordenskirche eine Kapel le stiften und bauen 
dürste n zu einer Erbbegräbnisstätte für sich, ihre Familien und Nac hkomm en, 
„von sonderer Freundsc ha ft und mannigfaltigen Dienste wegen, die sie und 
ihre Altvordern ihm und dem Haus zu Feldkirch oft erwiesen".2S) — 1490 
Montag vor Hilari (11. Jänner) bewilligt derselbe Kom thur Br. Konrad dem j 
genannt en Stophel Schnezer und dem Othmar Lütsc her, dem Sohne des mittler­ 
weile verstorbenen Ludwig, die die Kapelle „mit Altar, Gestü hl und anderen 
Dingen gezier t", daß sie in dieser ihrer Kapell e bei Gottesdiensten in der Kirche 
und in der Kapell e ihren Stand haben dürften ohne mänmglichs Behin de­ 
rung. 39) Unter demselb en Datum rev ersieren sich die Genannten über das er­ 
langte Recht des Stan des und der Leichlege in der Kapel le und verpflichten sich 
zur baulichen Instandhaltung der Kapell e für sich und ihre Nachkommen.s< l ) — 
1553, Samstag nach Dreikönig (7. Jänner), bewilligt Adam von Schwalbach,31) 
St. Johanns-Ordens Ritter, Kom thur von Tobel, Feldkirch und Würzburg, 
Reeeptor in Obe ren Teutschen Lan den, dem Alt--Stadtammann Heinrich Wyd- 
nawer zu Feldkirch, dessen Hausfrau des vorgenannten Othma r Lütsc her To chter 
war, sowie seiner Familie und Nachkommenschaft das Begräbnisrecht in der 
Seit enkapel le, wie es der Schnezer, Ludwig und Othmar Lütsc her besessen, nack- 
dem seinerzeit Schnezer dies Recht für sich nicht in Anspruch genommen und von 
Feldkirch fortgezogen sei.32) 
Die St. Anna-Kapelle wurde späte r Laurentiuskapelle genannt. Im Iahr- 
zeitbuch finde t sich zum 2. Mai 33) die Vermerkung: „Nova dedicacio altarium 
S. Lau rency in eapella et S. Ste ffani in subli mst er it in die inoe ncioni s ■ร. 
cruci s." Wo dieser Stepha nusalta r sta nd, ist nicht mehr zu ermitteln, vielleicht 
auf dem oberen Chor im Presbyterium, von dem noch später die Rede fein 
wird. Im 
Chor der Kirche wur den auch die in Feldkirch verstorbenen Kom thure 
begraben. Für den Stifter Graf Hugo wurde der Iahrtag am 12. März feier­ 
lich begangen. Solche Iahrtage aber finde n sich im Iahrzeitbuch nicht nur für , ! 
36) Wehinge n, Pfarrdorf im O. A. Spcichingen, Württemberg. ร 
27) Siehe über das Fel d kircher Patriziergeschlecht der Lütscher (Litsch er): Zösm air, 
Mus.-B er. 30 (1801) ร. 110. 
”) Urb. I. ร. 205. 
5’) Ebd. ร. 209. 
“) Ebd. ร. 210. 
S1) Dorf in Hessen-Nassau oder aber in der Rhcinprovinz, Reg.-Bez. Koblenz und 
Trier.S2) 
Urb. I. ร. 207. 
“) Ausg. Zösm air Mus.-B er. 30, ร. 86. > 
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Stifter und Wohl täter angemerkt, sonder n es bestand an der Kirc he sogar eine 
Art Bruder schaft zur Sichers tell ung eines Iahrzeitgedächtnisses für die Mit­ 
glieder. Diese Bruderscha f t oder „Jarzyt" nahm ihren Anfa ng im Jahre 1506 
unter dem Komthur Konrad von Schwalbach, Kom thur der Häuser Tobel, Feld­ 
kirch und in der Weißel und Reeeptor in Obe ren Tütsc hen Landen, mit Be­ 
willigung des Meisters Graf Rudolf von Werdenb erg und des ganzen Kapi­ 
tels, gehalten zu Freiburg i. B.34) Die Konvent brüder, aber auch ander e Per­ 
sonen, die eine Jahrzei t für sich stifteten, pflegten schon seit 1488 je einen sil­ 
be rnen Becher für den Konve nt tifch zu stiften. 3°) 
Bon an deren nicht zum Konvent gehörigen Perso nen, die in der Jo­ 
hanniskirche ihre Grabstätte fanden, erwähnt Bueelin36) Mar garetha von 
Wi ttenbach und ihren Gemahl Paul Hoffmann (Päli Hofman) 1474.3T) 
Ueber das sonstige Ausse hen der Ki rche in der Johanniterzeit kann nicht 
al lzuviel gesagt werden. Aus den Verkaufsatten 1610 geht hervor, daß die 
Kirche einen kleinen eingefriedeten Kirchhof, jedenfalls an der Nordseite, fer ner 
einen Gl ockenturm und eine Sakristei besaß. Wo letztere sich befand, kann nicht 
sicher festgestel l t werden. Die heuti ge Sakristei hat dam als noch nicht bestanden, 
son dern dati ert erst aus dem Jahre 1857. Eini ge andere Angaben über das 
Ausseh en der alten Kirche begegnen uns im folgenden Abschnitt bei Bespre­ 
chung der in der zwei ten Hä lfte des 17. Jahrhunderts vorgenommenen Re­ 
staurierung. 
B. Die Prioratskirche unter Weingarten und ihre Kunstauss tattung 
durch den Prior p. Gabriel Bue elin o. ร. B. 
Eine neue glänzende Epo che in der Geschichte der altehrwürdigen Johan nes­ 
kir che brach an um die Mitte des 17. Jahrhunderts unter der Weingarten scheu 
Verwaltung und zwar unter dem be kannten gelehrten Prior p. Gabriel Bueelin, 
der durch volle 30 Jahre der Weingarten'schen Filiale in Feldkirch Vorstand 
(1631—8 1). Mit großem Kunstve rstän dnis stat tete er feine Ki rche daselbst mit 
zahl reich en, darunter erstkl assigen Gemälden und anderen Kunstwerken aus, so 
daß dieselbe zu seine r Zeit geradezu einem Museum glich, angefüllt mit Meister­ 
werken der christlichen Kunst. 
I. Bucelin's Lebensgang und kulturelle Verdienste.^) 
Zun ächst einige Daten über den Lebensgang und die Bedeutung diese s 
hervo rragende n Gelehrten und Ordensmannes des 17. Jahrhunderts, eines der 
berühmt esten Mitglieder der Abtei Weingarten.
	        
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