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Full text : Der Reichshof Lustenau

feie rt wurde n. Dann folgte noch die übliche Sammlung für das
Paar, die der Ge selle besorgte.

Tausbräuche.

Pate und Patin ho lten den Täufling bei der Mutt er ab. Die
Patin trug das Kind im Daufkisse n zur Kirche. Vor dem Weggehen
fragten sie: „Was soll en wir bringen?" worauf Vater und Mutter
zur Antw ort gaben: „Eine n guten Christ en". In den allermeisten
Fällen er hielt das erstge borene Kind den Namen des Göti oder der
Gota. Nach der Taufe nahm man den kleinen Erden b ürger mit in
ein Gasthaus, wo der Göti für einen guten Tausschm a us aufkommen
mußt e, an dem auch die Hebamme, aber niemals der Vater teilnehmen
 durfte. Der erste Gang jeder Mutter nach der Geb urt war zum
„Ufasegna" in die Kirche. Bei

Sterbefällen.

War ein E rwach senes gestorben, so versa mmelte n sich die Verwandten
 (Fründschaft) am Nachmittag im Hause des Toten zum
„Psaltner". Beten d zog alles zur Kirc he, wo ein ga nzer Psalte r gebetet
 wur de. Betend zog die Prozession wieder heim! Am Abend
versamm elten sich wieder die Leute zum „Wachen". 9—10 Uhr ein
Psalter mit Litanei. Dann gang der größere Teil weg, nur eine Anzahl
 näc hster Verwandter und Nachbar n blieb da, wurden mit Kaffee
bewirtet und dann wurde von 12—1 Uhr noch einmal ein Psalter
gebetet. Dann begaben sich die Trauergäste heim, die Angehö rigen
zur Ruhe und ein paar gute Nachbarn oder Nachbarinnen hielten
die Totenwache. Der Leichenzug war ziemlich genau wie heute, er
wurde von den mä nnlichen Verwandten eröffnet und von den weibli
 chen ge s chlossen. Am 1. 7. und 30. Tage nach der Bestattnis war
wie der je ein Seelengottesdienst mit Opsergang.

Für die meisten Erwachsenen wurde an einem der näch sten
Samstag e oder Sonntage eine Wa llfahrt nach Bildstein unternommen.
 Es kam vor, daß an einem solchen W allfahrtstag über 100
Lustenauer für ihre Verstorben en in Bildstein beteten. Auf dem
Hinwege über das Lauteracher Ried wurde ein Psalter, auf dem
Heimweg ein Rosenkranz ge betet. Es dürf te kaum einen Ort weit
und breit ge ben, an dem fo viel für Die Toten gebetet wur de.

Wallfahrten.

In jener Zeit waren Wallfahrten viel häufiger als heute. Trotz
der Besch werde n und Entbeh run gen, die man auf sich nahm, bot
eine Wallfahrt dem Menschen nebst einer seelischen Auffrischung
auch willkommene Abwechslung in die Glei c hför migkeit des Alltagslebens.
 Gegen Hunger, Hitze und Kälte waren jene Menschen viel
abgehärteter als wir. Ganze Scharen wanderten auf Heiligkreuztag
 zu Fuß nach Einfiedeln, manch e kaum mit genügend Mundvorrat,
 geschweige denn mit Geld ausgestattet, 3 Tage hin, ein Tag vor
dem Marienheiligtum, 3 Tage zur ück, Nächtigung auf der Reise in 120
            
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