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Full text : Der Reichshof Lustenau

Der geheimnisvolle Pfarrer.

Währen d des Schwedenkrieges starb der Pfarrer Jakob Schr eiber.
 Eini ge Tage später erschien ein ä lterer Mann im Priestertalar
und zeigte ein Beglaubigungsschreiben des Bistums Konstanz, wonach
 er zur provisorischen Besorgung des Pfarramtes Lustenau bestim
 mt war. Sein Name war August in Rogg. Er berichtete dem
Ammann, daß er aus einem vom Krie ge verw üsteten deutschen
Lande komme. Nach einigen Wochen verschwand er ebe nso geheimnisvoll
 , wie er gekomm en, niemand wußte, wohin.

Der Gockelhahn als Verrät er.

Als die Schwede n von Bregenz aus das Rhei ntal brandschatzten,
 kam auch eine Abteilung von Lauterach her gegen Lustenau.
Das Streueried und der 'Fängbühel waren da mals noch mit Gesträuch
 und kleinen Wälde rn bedeckt. Die S chweden waren unter sich
uneinig, ob hi nter diesem ausgedehnten Gebüsch dem Rhein zu noch
eine Ortschaft sei. Die einen waren da für, die Richtung zu ändern
und nach Dorn birn w eiter zu marschieren. Da hö rten sie auf einmal
 einen Hahnensch rei von W esten her. „Wo Hähne krähen, müssen
 auch Leute wohnen!" entschied der Führer, und die Horde rück te
gegen das Dorf heran, um die harte Kriegssteuer einzuheb en.

*

Als die Franzofen am 15. November 1805 Lustenau plünderten,
 kamen einige auch bis in den Stalden. In einem Hause in der
Weiherstraße woh nte Välodino Nazi. Er hörte Lärm vor dem Hause
und überraschte zwei noch junge Soldaten, die gerade seinem Hühnerstall
 einen Besu ch abstatten wollten. Der wackre Lustenauer
forc ht sich nit, er nahm einen wuchtigen Prügel und stürzt e sich
fluchend auf die Eindringlinge, die schle unigst die Flucht ergriffen.
Während der eine entkam, verfolgte er den and eren ins Ried hinaus.
 Als der Franzose sah, daß er dem Verfolger nicht auskomme,
kniete er vor ihm nieder und rief mit aufgehobenen Händen: „Pardon!"
 Nazi verstand aber nicht französisch und schlug den Burschen
nieder, indem er ausrief: „Ich will dir ga säga wartnu n dir!"

Im er sten Haus nördlich des Freihof war die Frau noch im
Stall beschäftigt, als auf einmal ein Franzose das Stallfenster einsc
 hlug und den Kopf hereinsteck te. Die Frau war kein Hasenfuß.
Sie fuhr mit bei den Händ en auf den Eind ring ling los und pa ckte ihn
am Schopfe. Diese Kampfesart war dem Franzos en neu. Er su chte
rasch das Weite und ließ der überraschte n Frau die Perrüc ke in der
Hand. Voll Entsetze n rief sie aus: „Jesu s Maria, jetzt hanum d' Hor
usgrupft!"

Als im Jahre 1809 die G eiseln ausgehoben wurden, sollt e auch
ein Bauer name ns Höl lenste in ve rhaftet werde n. Fünf Männe r
waren bereits in der Nacht fortgefü hrt worden. Der Haftbefehl
gegen Höllenstein kam erst am folgenden Tage, als er gerade im
Mühlfeld auf seinem Acker arbeitete. Seine Tochter sah, wie sich 133
            
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