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Full text : Der Reichshof Lustenau

Der Schweizerriedstreit.

Die Brands chatzung durch die S chweden kostete die Gemeinde
einige 1.000 Gu lden. Die Bewohner mu ßten das Geld in Form
hoher Steuern aufbringen. Darum verlangten die Lustenauer, daß
auch die Schweizer rie de r einen Teil beitr agen. Mit Widerstreben
zahlten die Widnauer 1649 einen einmalige n Beitr ag von 1.200 fl.
Dafür mußte ihnen der Graf Karl Friedrich die schriftliche Zusicherung
 geben, daß sie künftig keine Steu ern mehr zä hlen müss en. Nun
hatte aber der Graf Schulden in der Schwe iz. Die Gläubi ger verlangten
 seine Einkünft e in Widnau und seine Weinberge im Schweizerb
 erg als Pfan d. Der gräfliche Zehentstadel war gerade voll Getreide.
 Da schickte der Graf seine Knechte mit einer Anza hl Wagen
nachts nach Widnau, um das Korn, zirka 1.600 Viertel , in Sicher ­
heit zu bri ngen. Als Antwort darauf beschl agnahmt en die Schweizer
Gläubi ger alles Besitz tum des Grafen und hoben künftig den Widnauer
 Hofzins für sich ein. Um sich zu entschädigen, nahm Karl
Friedrich die Schweizer rie de r in Beschlag. So kamen die Widnauer
in große Bedrängn is. Der Graf ließ ihn en, als sie einmal ihre Gemeindeherde
 nach Lustenau trieben, das Vieh wegnehmen. Die eidgen
 össi sche Regierung nahm sich der Widnauer an und verkl agte den
Grafen beim Kais er. Nach jahr ela ngem Pro zeß erhielt der Gras
seine Einkünfte und Güter in der Schweiz zur ück und gab nun auch
die Schw eizer riede r wi eder frei.

Als die Lustenauer einige Jahre spä ter wieder Kriegssteuern
zahlen mußten, forderten sie wiede rum die Besteuerung der Schwe izer
 Ried er. Die Widnauer verweigerten die Zah lung und berie fen
sich auf die gräfliche Bestätigung vorn Jahre 1649. Nun bemächtigten
 sich die Lustenauer ku rzweg der Schweizer Rieder. Die Schweizer
 ver klagten ihre Nachbarn beim Graf en, der ihnen den Befe hl
zur sofortigen Fre igabe erteilte, aber die Lustenauer trotz ten dem Befehl
 und erinner ten den Grafen, daß er einst dasselbe getan habe,
was man ihnen jetzt verbieten wolle. Darauf verkla gte Graf Franz
Karl seine Untergebenen beim Kais er. In dem Klageb rief heißt es,
die Lustenauer fo lgen ihm nicht mehr und er fomme durch sie in
große Angelegenheiten. Sie sta tten ihrer Herrschaft die schuldigen
Dienste nicht mehr ab, folgen deren Gebot en und Verb oten nicht
mehr und spiele n überhaupt den Meister . Die Regierung erließ ein
Verbot, daß die Lustenauer die Märkte nicht mehr befahren dürfen.
So mußte Lustenau wiederum den Kürzeren zie hen und Widnau
ließ sich 1693 wiederum die Steuerfreiheit zus ichern.

Aber die Spannung zwischen den bei den Gemeinden, die einst
7 Jabrbunderte eine Pfarrei und Gemeinde gebildet ha tten, blieb
bestehen. Gegenseitige Anfeindungen und boshaf te Besitzstörun gen
hie lten an. Die Lustenauer waren einmütig in dem Bestreben, den
Kampf gegen die Steuerfreiheit der Schweizer bis zu Ende zu führen.
 Im Jahre 1726 fordert en sie einen Beitrag zu den Steuer n,
die gera de damals wieder sehr hoch war en. Widnau weigerte sich, 48
            
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