Hochwassers rückte dieser „Heimatschutz" aus, um an den gefährdeten
Stellen der Dämme das Nötige rorzukehren. Diese S c hutzmannschaft
wurde dann besonders oft 1890 aufgeboten. Es war ein
feuchtwarmer Som mer, und vom Mai an fast jeden Monat Hochwassergefahr.
Schon am Patrozin iu m, 29. Juni, drohte das Verhängnis
wied er über Lustenau hereinzub r echen. Am Abend rie fen
die Sturmglo cken zur Wehr. Bis tief in die Nacht dau erte der aufregen
de Kampf an den Dämm en, besonders auf der Strec ke zwische n
Ober- und Unterfahr. Diesmal blieben die Lustenauer noch sieg reich.
Philipp Krapf.
Auf atmend sah man nach Mitternacht das Sin ken des Wasierstandes.
Aber der bezwungene Strom sc hien nur auf Rache zu sinnen.
Genau zwei Monate spä ter gin gen wiederum Wolkenbrüche über
das Bündnerland. Telegramme aus Chur meldeten unerhört
hohen Wasserstand. Die Laufzeit des Rhe ines von Chur bis Luste
nau betrug dama ls ca. 10 Stunden. Die Na chricht war niederschmetternd.
Die an Angst und Aufregung längst gewohnte Bevölker un g
begann, sich für die Kat astr ophe vorzubereiten. Diesmal rückte keine
Wehr mehr aus, niemand ging an die Seelache, weil alle überzeugt
waren, daß sich das Unglück nicht au fhalten lasse. Fieberhaft begann
man, die Habseligkeiten in Sicherheit zu brin gen. Bau ern eilten
trotz des strömenden Regens ins Feld, um noch rasch Kartoffel n
zu holen. Die Ställe wurden geräumt, das Vieh in der Tenne auf
hohe Podien gebunden oder in Nachbarorte gebracht. Die Dachräume
der damals noch zahlreichen niedrigen Häuse r wurden zu
Notwohnung en eingerichtet. Und dabei war der Rhein noch innerhalb
der Wuhren. Gegen Mitt ag aber be gann er so rasch zu wachsen
wie noch nie. Abends 5 Uhr zeigte der Pegel beim „Löwen"
schon 5 Meter. Es wurde durch Feuerreiter bekanntgemacht, daß, 88