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Full text: Citadelle Bregenz

  
  
  
die Gefchäfte der Stadt. Da beide Herren mit den Gefchiden der 
Stadt enge verbunden find, ift es am Plage, ihre Tätigkeit und ihr 
Wefen zu erörtern. 
Schon lange vor dem Einmarfch der DeutfhHen war es in Bre- 
genz bekannt, daß Solhardt von der Partei als Bürgermeifter be- 
ftimmt fei, da er ein Sührer der Illegalen war, wie er ja auch fpäter 
eine hohe Auszeidhnung erhielt. Wie er nun im Jahre 1938 Bürger- 
meifter wurde, fand er in der Stadt wenig inneren Widerftand. Er 
Ffehrte audy ganz gut als neuer Befen. Jahrzehnte ging das Be- 
mübhen der Stadt dahin, das alte Magazin am Molo zu entfernen; 
es war unm6glicdh, da die Eifenbahn zu hohe Sorderungen ftellte. 
Solhardt erhielt das Magazin faft umfonft, und nad) drei Monaten 
erftand an delfen Stelle eine nette Gartenanlage. Die Straßen der 
Stadt wurden fauber hergerichtet, und die Bauten an der Römer- 
ftraße werden noch lange ein Wahrzeichen feiner Tätigkeit fein. Diefe 
Erfolge hatten aber üble Wirkungen. Bald wußte Solhardt alles 
beffer, duldete feinen Widerfpruch, wurde von allen Beamten des 
NRathaufes darob belacht; feine Sreunde nannten ihn den „Gewalti- 
gen”, feine Seinde den „Marren”. Als er das Rathaus verließ, war 
man allgemein zufrieden. Daß er fid aber für die Verteidigung ein- 
feßte, ftets Iwer bewaffnet in der Stadt umherfligte und mit feiner 
Tätigfeit die Stadt einer offenkundigen und nugßlofen Gefahr aus- 
feßte, das erregte viel Unwillen. Seine geiftige Einftellung zur Der- 
teidigung der Stadt ift umftritten: Zuerlt ift er bereit, den Willen der 
Ratsverfammlung dem Sauleiter mitzuteilen, dann will er nicht die 
Schande erleben, daß „feine Stadt” die weißen Sahnen hifje, endlich 
will er „auf den Trümmern der Stadt für Deutfhland Fämpfen”. 
In diefer Sauce von Pflidhterfüllung, zartem Empfinden und uner= 
bittlidem Heldentum möge ein anderer id zurechtfinden. Als Sol- 
hardt aber am Sonntag aus der Stadt floh und feine Bürger dem 
Elend überließ, da Fehrte id alles von ihm ab. 
Als von Schwerzenbadhy im Auguft 1944 das Amt antrat, et= 
wartete man nicht viel von ihm; als Dizeblürgermeifter war er ja 
ganz ausgefhaltet gewefen, Fam zu Feiner Praxis, da „Er” alles 
felbft beforgte. Als Charakter verfchloffen, mit ariftofratifhen AlNü- 
ren, galt er als weltfremd. Es hatte iHm audy niemand an der Wiege 
gefungen, daß er dereinft fein Brot verdienen müfe. Zudem war er 
der Sohn eines großen Mannes, und das ift meiftens ein Verhängnis. 
In den Jahren 1880-1900 waren es drei Männer, denen Bre= 
genz feine heutige Blüte und Größe verdankt. Es find dies Graf 
Razinffy, Graf Belrupt und von Schwerzenbach. Erfterer ift der 
Erbauer von Marienberg, der mit feinen Millionen wie fein anderer 
das Wirtfhaftsleben der Stadt befruchtete. Graf Belrupt war lange 
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