Steigen auf gut gebahntem Wege. Toch man soll den Tag nicht vor
dem Abend loben. Gleich bei der ersten Wendung der Straße
gähnte mich eilt abschüssiges Lawinenfeld Ult, das die Straße
auf mindestens 50 Schritte sperrte. Wie Eisenstangen s anken
meine Beine in den weich en Schnee. Doch die Sperr e ward
endlich glücklich überwunden. Leider wiederholten sich diese un
angen ehmen Un terb rechungen noch fünf- bis sechsmal und hörten
erst auf, als ich zur nächsten Alpe kam. Hier traf ich schon
Leu te, welche mit Ausbesserung der Hütten uud Zäune für den
nahenden Auftrieb des Viehes besc hä ftigt wa ren. Auch der Weg
wurde bel ebter. Kraxenträger mit Alpengeräthschasten und Pro
viant kamen an mir vorüber und boten mir ihr freundli c hes
„Guata Tag."
Das quer von Südost nach West abfall ende, etwa an dert
halb Stunden lange Malbunthal bietet sonst nicht viel des In
tere ssante n. Desto schöner entfaltet sich am Ausgang der Weide
boden des Samina thale s, in welches es fast senkrecht einmündet.
Diese grüne mit Reihen von Almhütten belebte Ausweitung, in
welche der langgestreckte und unwirthliche Runst gena nnten
Thal es ausläuft, hat eine ge wisse Aehnlichkeit mit der weitge
dehnten Wiesenfläche des „Nenzinger Himmels", nur ist le tztere
größer. Hingege n ist das rück wärt ige Ge birgsh albrund mit dem
gewaltigen Naafkopf fast noch effeetvoller, als das vom Gamp er-
donathal.
Es ist über haupt schwer zu sagen, welches der drei pa
ral lel laufenden Sch westert häler Brandner-, Gamperdona-,Samina-
thal landschaftlich das schöns te sei. Jedes derse lben weist eigen
thümliche Schönhei ten auf. Besuchenswerth sind sie alle drei.
selben Jahr es, als ich wieder diese s schöne Thal besuc hte, von der liebeus-
würdigen Gattin des Herrn Forstmeisters Hosp, die sich hier in der
Sommerfrische befand, volle Gen eral absolu tion ertheilt wurde.