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Full text: Wanderungen in Vorarlberg

Brand steh en fast sämmtlich zu beiden Seiten der Straß e und 
sind, soviel ich iu der Dämmerung wahrnchmen konnte, ganz 
freundlich gebaut. Vor dem Hause des Vorstehers prunkte eilt 
hoher b uutbew ipfelter Maibaum, der demselben am Tage der 
Wahl von den Dorfburschen anfgestellt wurde, welch e zarte Auf­ 
merk samk eit der so Begrüßte na türlich durch Getränkspeuden er­ 
widern mußte. Diese alte Sitte herrsc ht übrigens auch iu au­ 
dereu Thälern Vorarlbergs, so zum Beispiel im groß en Walser­ 
thal uud im Brege nzerwa ld. Die Brandner sind eben Walser, 
die sich 1347 hier an siedelten. 
Als ich von mein er Inspection zu rück gekehrt war, traf ich 
meinen Freund schon in volle r gastrono m ischer Thä t igkeit. Speise 
und Trank waren anch sehr gut, weniger befr iedigend verlief 
die Nacht, da außer der beeugenden Schw üle des kleinen Ge- 
niaches auch der fü rcht erlich gesuud e Schlaf mei nes Zimme r­ 
genossen nur einen unruhigen Halbschlummer bei mir aufkommen 
ließ. Ich begrüßte daher mit Freude das Granen des Mor­ 
gens. Alle Be rghäup ter waren entzündet, unten lag in flau­ 
migen Strei fen leichter Nebel; ans den Wiesen glitzerte der 
Thau. Da mein R eis ecollege die Lust zur Weiterwauderuug 
ver loren zu haben schien , so m arsc hierte ich allein thaleinwärts. 
Etwas weiter außen steht noch eilt Gasthaus, das origiuel ler- 
weise zwei Namen f ührt, t tämltch „Lüne rsee" und „Scesaplana". 
Das Kirchlein, das ebenfalls links am Wege liegt, weist eilt 
schö nes go thisches Presbyterium auf. Das dem schlichten Got tes­ 
Hanse gegenüberpostierte Haus ist durch eilte Monstrauze über 
der Thür als Widdum gekenuzeichnet. 
Hier geht das Sträßchen aus uud es führt nur mehr 
eilt Karrenweg, der spä ter iit eilten Fußweg übergeht . Der 
Fel dbau hat fast vollständig aufgehört; nur Kartoffeln und 
wenig Roggen wird noch gepflanzt. Der von Norden wehende wehende
	        
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