Bestürzung und Angst herv orrief. Sofort trafen die Klosterfrauen die
nötigen Vorkehrungen zur Flucht1) und verließen spät am Abend desselben
Tages das Kloster Valdu na. Es waren im ga nzen 20 Chorfrauen und
4 Schwest ern; nur eine Chorfrau, die hochbetagt war, und eine Laienschwester
blieben im Klo ster zurück. Die Äbtissin hatte ursp rüngl ich die
Absich t gehabt, gle ichfalls im Kloster auszuharren und ver blieb daselbst
noch einen Tag, dann aber gab sie den Vorstellungen nach und teil te mit
den übrigen Flüchtlingen die Verbannung2). Diese waren gegen ein Uhr
nac hts vor den Toren der Stadt Feldkirch angekommen. Auf ihr Bege
hren ließ man sie ein, gab ihnen aber den Rat, mö glichst bald über den
Rhein zu setz en und sich in die Schweiz zu flüchten, da der Feind schon
bis Hohenems vorgedrungen sei. So wurde denn die Reise zu Fuß fortgesetzt.
Sie war mit vielen Bes chwerd en und Mühen verbunden und gestaltete
sich auch dadurch noch schwieriger, daß gerade tiefer Schnee
lag 8). Am 7. Ja nuar kamen sie in Weesen am Wa lle nsee in der Schwe iz
an und fanden hier fre undliche Aufnahm e, sechs im Kloster der Domi nikanerinnen
daselbst4), vier im Freistift Sch ännis in der Nähe von Weese n5),
Völkern die Schantze Bregenz durchgebrochen durch Verretterei (wie man gema inkhlich
darvier gehall ten), das Landt erobert und eingeno m men. Man hat sich in dem
Landt dessen nit besorgt, deswegen nit vil geflehnet (geflüchtet) oder Vorsorg getroffe
n.“
') Weil man an keine Gefahr dachte, war noch nichts in Si cherheit gebracht
worden. Vb. S. 65: „wie wir in uns erem Gotshaus unser Kirchenornat und andere beste
Briefe und Sa chen noch alles oh ngefehnet [nicht gesichert] im Closte r geha bt haben.“
’) Vb. S. 66: „Als Bregenz den 4. Jener Mi ttagsz eit eingenommen worden, sein
wir diesen Tag abends umb 10 Uhren aus uns erem Clösterlin durch Rath guete r benachbarter
Herren mit Erlaubung u nseres Ew. P. Beichtvaters ausgangen, ein ganz es
Convent, deren damahle n 24 waren, die gieng en aus der Clausur, außer einer Chorfrau,
wel che alt und ein Layensohwester. Dise bede sein bei dem Closter verbliben, wie
auch anfan gs unser Wohlehrw. Frau Mue tter Abtissin nit gewic hen, sondern noch
einen Tag im Closter ver bliben, hernach auch mit uns dem Schweizerland zug ereis t.“
’j Vb. S. 66: „Wür unser 20 Frauen und Layenschwestern sein in der Nacht umb
1 Uhr für die Porte n der Statt Veltk ürch kommen. Da hat man uns eingelassen;
wei len aber der Fe indt schon zu Ems war, hat man uns gerate n nach dem Schweizerland
über Rhein uns zu begeben. Wir sein zu Fuß mit großer Verlegenheit und Müh als
eing esperrte Leite fortgewandlet in sehr tiefe n Schnee, also daß ihrer etlich Frauen
gar matt und krank worden.“
4) Vb. S. 67: Die Frauen S. Dom inici Ordens zu Weesen erb oten sich freundlich
und gu twillig gegen uns, nahmen in ihr Gotshaus zu undterhalten sechs von u nseren
Mitschwestern; denen gaben sie das hl. Almusen, bis und so lang, dass wir wiederumb
haim komme n mö gen.
5) Vb. S. 67: „Die gnädige Frau und Fürst in des adeligen Freistifts Schännis,
ein Stund von Weesen gel egen, bewill iget, von uns vier Personen zu beherbergen,
wie dan drei Fraue n, dar unter eine krank e, wel che man in einem Schli tten aus dem
Closter (hat) führen müsse n, gewesen, und eine Layens chwester, das hl. Alm usen zu
Schännis genoss en haben .“ Diese schweiz e rische Frauen-Abtei hatte in Rankwei l,
Gies ingen, Tosters, Gö tzis und anderen Orten Vorarl bergs Besitzungen. Ihr Stifte r
war (um 809) der Graf von Churrhätien Humfried, Sohn des Ma rkgrafen von Istrien.
Vgl. Rapp a. a. O. I 629. 5* 67