Provinzial der oberdeutschen Minor itenp rov inz, Heinrich Karrer1), nachdrücklichst
den lang gehegt en Wunsch äußerten, es möge das Tertiari nn enklos
ter zur Annahme der Kla usur und der Klarissenregel vermocht we rden,
ging dieser auf den Plan ein und zö gerte ni cht, das got tgefäl lige Werk
fest in die Hand zu nehmen und trotz aller entgegenstehenden Schwierigke
iten durchzuführen. Ausgerüstet mit Aufträgen und Vollmachten des
päps tlichen Stuhles und des Kardinal-Schutzherrn des Fran ziskane rorde ns
wies er am 12. November 1479 im Konvent der Minoriten zu Villing en vor
dem päpstlichen Notar M. Seltenbrunner und der Geistlic hkeit Villingens
einen päpstlichen Brief vor, demgemäß trotz aller W eigerung und alles
Sträubens der Frauen im Bickenkloster da selbst eine durchg reifende Refor m
vorgenommen werde n müsse2), und set zte sogleich den Stadtrat und das
Frauenkloster von den be vorstehe nden Maßnahmen in Kenntnis. Und woher
sollte die Hilfe kommen? Beim Durchmustern der Kla ri ssenklöste r der
weiten oberdeutschen Ordensprovinz hatt en sich seine Geda nken alsbald
auf Valduna gerichtet und er war sogleich zur Überzeugung gelangt, daß
kein Konvent in gl eich hohem Maße befähigt sei, die nötigen und geeigneten
Kräf te zu stellen wie Vald una. Auch wußte er, daß der Tugendhaftigkeit
der dortigen Klosterf rauen kein Opfer zu schwer und keine Mühe
zu groß sei. So schritt er voll Gottvertrauen zur Ausführung, und schon
die nächste Zuk unft zeigt e, wie richtig er gesehen und geurteilt hatte. Am
26. Januar 1480 berief er in Valduna den Konvent und legte ihm die Angelegenhe
it vor. Mit „Erlaubnis und Be fehl“ seiner Heiligkeit Papst
Sixtus ’ IV. und ihres Ordensobern, des P. Generals in Rom, mit Zustimmung
und Gutheißung („günstlichen Gnaden“) des Land esfürst en und Herrn Erzherzogs
Sigismund von Österreich, mit Wissen und Willen des Schultheißen,
des Bü rgermeisters und des Rates der Stadt Villinge n solle das Bickenkloster
da selbst in ein Kloster der heiligen Klara umgewandelt werden3).
Nun verlange der heilige Gehorsam, daß zum Zwecke diese r Neu gründung
neun Konventualinnen aus ihrer Mitte von Valdun a nach Villinge n übersiedelten.
Die Überraschu ng war groß, sie stieg noch, als der Provinzial
nach ku rzer Pause die Namen derjenigen verlas , welche er für dieses
wichtige und heilige Werk ausers ehen hatte4): Ursula Hai der, welche in
Valduna bereits 13 Jahre Abtiss in gewesen war, sollte auch in Villinge n
zu diese r Würde er hoben werde n; mit ihr sollten gehen: Agnes Buzlin,
') Protonotarius apostolicus, war Pro vinzial 26. Aug. 1464 bis 30. März 1463, ein
durch Frömmigkeit und Gele hrsam keit gleich ausgezeichn et er Mann.
’) Regesten von Urkunden des Bickenklosters zu Villingen, ZGO. XXXII. (1880).
Lat. Perg. Orig. X Nr. 8.
3) Urk. d. d. Mo ntag nach d. II. Son ntag nach Os tern 1480. BI. s. Anh Nr. 102. —
Wm; abgedruckt in den „Jahrgeschichten der Fr anzis kaner in Bade n“, Mone III 642:
Provincialis P. Henricus Karrer monasterium hoc sufficien ti sororum numero resarciv it
et quidem sub regula S. Clarae ex dispe nsat ione summi pontificis Sixti IV. et consens u
ac beneplacito Sigismundi, arehiducis Austria e.
’) Vib, 10. Kap. - Wm. II 363. - Sy. 215. Vn. 339. fi* 131