Vb. Nachdem sie zunächst S. 15 im Auszuge und gekürzt den oben mitgeteilten
) Bericht der ält eren ChronikVa. wiedergege ben hat, dabei ausdrücklic
h hervorhe bt: „Anno 1403 den 6. May wurt ten die liebe Schwesteren
empfangen und bestättiget in den hl. Orden S. Clarae“ und
dann die feier liche Einverleibung in die oberdeutsche Mino riten pro vinz beschreibt,
beh auptet sie S. 19: „Mit A nfang dieses Gottshaus Valdona waren
die Schwesteren der dritten Regul sancti Francisci, lebt en nach dersel
ben bis auf das Jar Christi 1442.“ Diese let zte Jahreszahl ist unri
chtig und, wie vorher, in 1403 zu be richtig en. Aber damit ist die Sache
noch nicht abgetan. Weil die Schwestern des dritten Ordens keine Äbtissin,
sond ern eine Meisterin als Vorste herin ha ben, so führt die Chronik
für die Zeit von 1403 bis 1442 folgerichtig nur „Meisterinnen“, nicht
Äbtissinnen an und bemerkt dann (S. 24) bei der
sechsten „Meisterin“, Ursul a Kräbs , die von 1437 bis
1457 regierte: „Under (der) Regierung diser Fraue n
wurdt en die Schw est eren dises Gottshaus Valdona von
der trütten Regul sanc ti Francisci revormiert in die
ander e Regul der hl. Mue ther Clara.“ Das entspric ht
nun durc haus nicht dem wirklichen Tatbestände. Denn
es ist Tatsache und wird von allen noch vorhandenen
Urkunden und Dokumenten aus dieser Zeit bezeugt,
daß nur die Urkunden von 1393 bis 1403 auf den
Namen der „Meisterin“ und des Konvents von Val- Val duna-Sie gel
duna ausgestellt sind, daß dagege n in allen vorliegenden Dokumenten
aus der Zeit von 1403 bis 1442 ohne Ausna hme die Vorste h erin nicht
als „Meisterin“, sonde rn als Äbtissin“ bezeichnet wird. Daß ferner
unter der „Meisterin“ Ursula Krebs die Aufnahme in den zweiten Orden
erfolgt sei, wird von Vb. durch nichts bewiesen und von keiner anderen
Quelle ang egeben. Somit liegt off enbar ein Ir rtum der Ch ronik vor, die
Aufklärung aber über den Ursprun g des Irrtums bieten die unmit telb ar auf
die eben zitierte Stell e (S. 24) folgenden Worte: „Dise (Reg ul der hl. Klara)
namen sie an mit gnädigster Bewilligung des allerhailigsten Vatters Bonifacii,
des neunten deß Na mens, römischen Papsts Confirmationsbrief, fangt
an: Bonifacius Episcop us servus servorum .... Datum Romae apud
S. Petrum II. Septembris pontificatus nost ri anno tert io decimo etc. anno
1442 .“ Es erhe llt ohne weiteres, daß die fal sche Datierung des päpstlichen
Bre ves und eine unrichtige Annahme der Regierungsjahre des Papstes
Bonifaz’ IX. das ganze Mißverständni s hervorgerufen haben2).
') S. 31. — 2) Im Vorarlberger Volks blatt, Jahr 1872 Nr. 77—86, wird der Inhalt
der erwähnten Valdu na-Chronik im Aus zuge wiede rge geben. Zu der soeben zitierten
Stel le macht nun der Verfasser der A rtikel die Bemerkung: „Hier citiert die Verfasserin
(abermals) einen'falschen Papst. In dem genannten Jahre (1442) regierte Eugen IV.
(1431—1447).“ Daß der Irrtum auf andere Weise zu behe ben ist, bedarf nach der obigen
Da rlegung wohl kei nes längeren Beweises.
Ludewig, Das ehemalige Klarissenkloster in Valduna. 333