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Full text: Die Moore Vorarlbergs und des Fürstentums Liechtenstein in naturwissenschaftlicher und technischer Beziehung

Schlüsse aus demPflanzenvorkommen 
auf Moor in V or arlberg: 
1. Es gibt keine Pflanzen , welche aus­ 
s chließlich auf Moor wachsen. Solange die 
Botaniker „Moo r" als glei chbedeu tend mit 
„Sumpf" auffaßt en, konnte man mit Sendtner 
„eigentliche" Moorpflanzen, „moorst et ePfla nze n", 
und „bodenvage Pflanzen" unterscheiden. Nach 
uns erer heutigen Vorstellung von einem Moor, 
das ein solches bleibt, auch wenn es von Natur 
aus trocken ist oder künstlich tr ocken gemacht 
wird, konnte man höchst ens von moorlieben­ 
den Pflanzen sprechen. Indessen bewei st selbst 
ein v orzu gsweises Vorkommen auf Moor nicht 
imm er, daß eine Pflanze den M oorboden dem 
Min eralbo den vorzieht. Die Latsche z. B. 
find et sich innerhalb der Fichtenwaldzone nur 
auf Moor oder ödem Fels, oberhalb der Fichten- 
wald greuze auf jedem Boden, Kalk oder Urge­ 
stein, aber nicht auf Moor oder hö chstens am 
trockensten Rand dessel ben. Moo re, die über 
1850 m l iegen, besitzen keine Latschen, wohl aber 
find en sich auf Mineralboden Latsc hen bis 
2300 m. Es ist le icht begreiflich, daß ihnen die 
genannten Stan dorte durch den Kampf um das 
Dasein aufge drängt sind. In der Fichtenreg i on 
werden die Lats chen auf M iner alboden von der 
schn ellwüch sige n Fichte durch Lichtentzug ausge­ 
hungert und können sich dort nur auf Moor 
und Geste in strümmern h alten, wo es der Fichte 
wegen der seichten Bewurzel un g unmöglich ist, 
zu gedeihen , über der Baumregion herrscht die 
Latsche ans Mineralboden und meidet die für 
sie meist zu nassen Moore dieser Region. Of fen­ 
bar liebt die Latsc he auch in der Niederung den 
Moorboden nic ht, obwohl sie auf demselben 
tiefer als auf Mme ral boden (in Vorarlberg bis 
560 พ) hinabgeht. Sie gedeiht in G ärten der 
Ebene (wie an der Nordseeküste) vorzüglich, 
wenn ihr nur die Feinde vom Leibe gehalten 
werden. Allein Anscheine nach waren alle öster­ 
reichischen Moosmoore ursprünglich mit Latschen 
bewachsen und t rotzdem haben wir Grund zu 
glauben, daß dies es Holzge wä chs das Moor 
eben sowenig l iebt, wie die Indianer das rauhe 
Felsengebirge. Beide, Indianer und Latsche n, 
werde n von den im Kampfe nms Dasein bes ser 
o rg anisierten Gegnern von den besseren Grün­ 
den einfa ch verdrängt. 
Nebst der Latsche ist die Heide die ge­ 
meinste Pflanze der Möser nicht nur in Öster ­ 
rei ch, son dern in ganz Europa. Für sie ist es 
ebenfalls bezeichnend, daß sie in höheren Lagen 
das Moor in der Regel m eidet, wenigs tens 
tritt sie in Riedm ösern sehr zurü ck oder fehlt. 
Nur in einem Moor, Nr. 104, fand ich sie noch 
auf 1990 m See höhe in größerer Menge. Ähn­ 
lich verhält es sich in dem hohen Nor den. In 
Nordenskiölds „studier ochForskninger" ist 
Seite 485 mit getei lt, daß die Moo rpfla nzen 
Süds kandinaviens: Heidelbeere, Krühenbe ere, 
Sumpfl äus e kraut, Sumpfborst, Bocksteinbrech im 
Nor den nicht auf nasfem Moor, s ondern auf 
trockenen Hängen wachsen. Die Krähe nbe ere 
ist in Böhmen fast nur auf Moor, in Vorarl­ 
berg fast nur auf Mine ral boden. Ä hnlich ver­ 
hält es sich mit der Trunkel- und Heidelbeere 
in höheren Lagen, auch die alpine n Rei ser: 
die niederliegende Alpheide (Azale a), die rost­ 
blätterige Alpenrose, die Grü nerle, ferner Alpen ­ 
bärlapp, die gewöhnlich als Moorpflanzen 
gelten, bevölkern in Vorarlberg zwar den mi­ 
neralischen Boden der Almregion nahezu in 
Reinbe st änden, gehen aber höchst ausnahmsweise 
vereinzelt auf die trockensten Stellen der Ried­ 
möser. Sumpfbärlapp und Gränk e, die in 
Vorarlberg vorzugswei s e bis ausschließli ch auf 
Moor vorkommen, wachsen an der Ostseekü ste 
auf Sandboden, und Sumpf- wie Rost­ 
schmerle (Schoenu s), die auf die Rheinrieder 
beschränkt sind, bevorzugen daselbst keines wegs 
das Moor gegenüber dem Schlam mbod en. 
Aus der Darst el lung geht hervor, daß eine 
Pflanze in niedr igen Lagen nur auf Moor, in 
höhere n fast nur auf Mineralboden wach sen 
kann, f erner daß ein häufiges Vorkommen auf 
Moor in einem Lande nicht den Schluß zu­ 
läßt, daß dies auch in einem anderen Lande der 
Fall ist. Erst wenn für eine Anzahl Lä nder die 
Moorpflanzenstatistik in ähnlicher Weise wie für 
Vorarlber g ve röffentlicht sein wird, können wir 
in die Lage ko mmen, festzustellen, w elche Pflanzen 
als häufi ge Moor bewohner zu gelte n haben und 
welche nicht.
	        
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