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Full text : Geschichte von Vandans im Montafon

konnte ■). Insbesondere unten, gegen die 111 zu, muß eine größere Verheerung erfolgt sein; zunächst
ging damals der Raditscher Hof unter, dann wurde die Straße zwischen Aualatsch und Almustrik
(Reisbach) verschüttet. Das breit e Schotter bett mit den Erlenbeständen im Mittelteil und der Wald
im Unterteil befinden sich heute an Stelle der mit Kirschbäumen bestandenen Allmende, die viel
näher an den Bach hera nreichte. Daß eine solch e vorhanden war, wis sen wir aus den vers chied enen
Grenzangaben, die oben bei Gudai n besprochen wurden 2). Im Jahre 1764 hat dann nicht nur der
Mustergiel, sonder n auch unser Almustrik (Reise rbach ) geto bt. Er soll bei Max Koller (Gamswitt)
in den Mustergiel geflos sen sein und wäre also dem Ostrande des Diels gefolgt , was nicht unwahr ­
scheinlich ist. Der Chron ist empfa nd dieses Unglück als Strafe Gottes; denn damals hatten Trunksucht
und Spiel wut in Va ndans arg eingerissen. Ge rade am Ungl üc kstage saßen einig e Bauern im Hause
des Th omas Bitschnau (Nr. 3) beim Kartenspiele. Auf einmal hö rten sie ein Rauschen und einer
schaute zum Fenster hinaus und rief: „Herrg ott, min Schmalzkübel kunnt!“ Ob er ihn gerettet,
weiß der Volksmund nicht zu sagen 3).

Nach der Kata stroph e vom Jahre 1764 dacht e man zunächst dar an, den Mus tergiel , der durch
seinen Bogen die Kirc he bedrohte, im alten Bett in gerader Linie hinabzuleiten und ihm ein 30
Schritt (ä 3 Werchschuhe) br eites Bett zu geben. Aber es kam nicht dazu. Daß man das Un glück
längst schon nahen sah, zeigen die Vereinbarungen seit 1648 bis 1653 und dann 1685 /aus denen
hervorgeht , daß die Läufe des Mustergiel zu sehr verl egt waren. Aber es war das einem al keine
Einig ung zu erzielen, das anderemal hielt man sich nicht an die Abmachungen4). Im Jahre 1770
kam noch einmal ein Hochwas ser des Bach es und ebenso im Jahre 1887, wo die Felder auße rhalb
der Kirche und in den Bündten verhee rt wurden. Dama ls brach auch der Almustrik aus und
außer dem anno 1900. Dies war der letzte große Ausbruch, vor jenem im Jahre 1910, der oben
ber eits geschil de rt wu rde.

Von den Ausbrüchen des Aualats ch hören wir erst im 19. Jahrhundert. Er ver schüttet e 1868
das äußere Rodund, ebenso 1877. Im Jahre 1879 verwüstete er einen großen Teil des äußeren
Rod und abermals, wobei drei Menschen ums Leben kamen. Von der Tätig keit des Ladritsch bac hes
hören wir erstmals 1666, in welchem Jahre er am Pfingstmontag (14. Juni) aus brach und unter
an derem das Gut des Christian Morizzi in Vaduschis de rart vermurte, daß diese r mit Weib und Kind
abziehen mußte 5). Seine Enkel finde n wir dann, wie bekannt, auf Neuland südlic h des Bazinkels 6).
Im Jahre 1894 schob der Bach dann jene gewaltige Schuttmasse daher , die den Wald außerhalb der
Kapelle zerstörte, den unsere F lurkarte, weil aus Mitte des 19. Jahrhu nderts stammen d, noch zeigt.
Damals entstand in St. Anton ein Stausee der 111.

So ist der Boden von Vanda ns, der bis zum Jahre 1903 von zehn bis zwölf Bächen (Müh lbäche
und Wasse rgräbe n mitgezählt) durchzogen war, reichli ch belebt . In beso nders niederschlagsreichen
Zeit räumen mag er wie ein Ge lände voller Brun nen und Quellen gewesen sein, wie das von Deu tschen
benannte Brun nenfeld . Die ersten ihn stärker beachtenden Menschen, die Romanen, nannten jene
Gegend von ihren Sitzen in Tschagguns aus wohl ad fontanas^, ihre Eigenart am beste n kenn-')

 Nach dem Au sschlagb üche l scheint der Bach im 15. Ja hrhundert hinge gen unruhiger gewes en zu sein, vgl. oben S. 84.
2) Vgl. oben Seite 68.
8) 1819 wurde n im Wege des Vertrages Schutzmaßnahmen getroffen. Man verlegte den Mühlba ch auf die inne re
Seit e, so daß die ser Bach zwischen Almustrik und Trei bweg zu liege n kam. Den Zutritt der Gai ßen zur Au ve rhinderte
man, verb ot das Lobwiischa in den Auen am Bach und machte den Wuhrvögten gen aue Aufsicht zur Pflicht. Gem eindearch
 iv Vand ans, Wuhrakten.

4) Vgl. die bei dem jeweiligen Wuhrvogte aufbewahrten Wuhrakten.
s) Attest hie rüber Blu denz, Stadtarchiv, Fasz. CXXXIV, 69.
3) Vgl. Seite 68.
’) Diese Deutung ist von meinem philolog. Gewährs m ann Leo Jutz anerkannt. Wie ich sehe, hat auch schon
Zösmair an F ontana ged acht. Sander hingegen dachte an eine ganz unmögliche Ableitung vom Familiennamen Fandan
des Au sschlagb üchels .
            
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