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Full text: Das Vorarlberger Schrifttum : und der Anteil des Landes am deutschen Geistesleben

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Wie der Verfasser in der Vorrede sagt, ermutigte ihn die Gedich t­ 
sammlung „Nit lugg lö" von Seeger, mit den eigenen dichterischen 
Versuchen an die Oeffentlichkeit zu treten. Es ist selbstverständlich, 
daß das Liebesleben mit seiner ewig neuen Wiederkehr in dem 
Büchl ein den meiste n Raum einnimmt. Der D ichter weiß aber auch 
a llerlei fröhliche Geschichten zu erzählen, von J agern und Schützen, 
von pfiffigen und and eren Bau ern, vom gesellschaftlichen Leben in 
der Stadt und auf dem Lande. Auch den Jammer über Steuerdruck, 
Zinsenlast und g ewer bliche Not vergißt er nicht. Ein mal, in der 
Sage von der Sen nin in Verbälla, sch wingt er sich zur Höhe der 
ernsten Ballade auf. Die sc harfsteche nd en Gsätzli stehen im Gegensatz 
zum prickelnden Wltz der Mehrzahl seiner Gedichte. Im Jahre 1878 
keh rte Dr. Biedermann wie der zu seinem Beruf als Rec ht sanwalt 
z urück, den er bis zu sein em Tode am 20. Oktober 1923 in Bludenz 
ausübte. Die Stadt verließ er fast nur noch, um seinen Sommer­ 
aufenthalt in Zürs zu gemeß en, dessen l andsch aftli che Bedeutung er 
zu erst erkan nt hatte. Bredermann war nicht nur als Rec ht sanwalt 
geachtet , sondern auch im geselligen Verkehr beliebt, beson ders wegen 
der Heiterkeit, mit der er Schnurren und Schwänke s chockwei se in 
vollendeter Form zum besten gab. Es ist sc hade, daß Biedermann 
den von vielen Freunden und Verehrern ausgesprochenen Wunsch, 
er möge ein paar Hunder t seine r schönsten heiter en Gaben in einem 
Buch verein en, nicht erfüllte. Noch bedauerli c her ist es, daß er den 
inneren Lockruf zur dichterischen Gestaltung nicht befolgte In der 
Vorrede schrieb er: 
„An meine m Lebensabend sch ellt und kli ngelt es immer noch 
in meinem Inneren. Oft habe ich leidige Mühe, die an mich sich 
herandrängenden lustigen und luftigen Gestalten von mir wegzu­ 
drängen." 
Es ist ein Verlus t für unser Schrifttum"), daß er die Absicht 
nicht ausgeführt hat, die er in seinem letzten Gsatzli ausspricht: 
„Meh Liedli, meh Gsät zli, 
Des ho mer scho de nkt, 
Des mach i, wenn ds Läba 
Ds Herrgöttli mir schenkt." 
Geb harä Wolfle. 
Gebhard Wölfle") ist am 24. April 1848 in Bizau als einziges 
Kind einfacher Bauersleute geboren. Schon als Volksschüler las er 
nicht nur gern im Lesebuch, sondern suchte Unterh altu ng in Ritter-, 
Räuber-, G eister- und Hexengeschichten und Belehrung in Bä nden und 
") Vgl. Hermann Sanders Wert ung der Gedic hte im Feierabend (4), 1923, 
S. 159 f. 
-’) Vgl. Sander (157 und 158).
	        
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