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Full text: Das Vorarlberger Schrifttum : und der Anteil des Landes am deutschen Geistesleben

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Heften von Zeitschriften, wie „Ueber Land und Meer". Durch den 
Arzt Gallus G reber in Bad Reuthe erhi elt er die damals viel 
gelesenen Roman e von Konrad v. Bolanden und lernte die „Fliegenden 
Blätter" kennen. 
Eine neue Richt ung in seine r geistigen Entwicklung brachten dann 
ein n orddeutsche r Ragelsc hmled und ein süddeutscher Steinmetz, die im 
V erein mit dem Bildhauer Anton Rüscher und dem Lehrer Feuerstein 
in den Tanzsälen der Wi rtshä user Stucke auffü hrten , an denen Wolfle 
teilnahm. Besonders b eliebt waren heit ere Wie ner und Berliner 
Vorstadtpossen, die zeitgerecht um Neujahr, in der Fasnacht und am 
Funkensonntag gesprelt wurden. Das beste Stück war wohl Nestroys 
,7üumpazi Vagabundus"; 1869 wagten sich die Bizauer Scha uspie ler 
sogar an Schille rs ,^Räuber ", die Wölf le kühn bis auf die Hälf te 
zusammenstrich, um Mitwirk en de für alle Roll en aufzut reib en. Die 
Bizauer Bühne gewann einen guten Ruf; auch Franz Michael Felder 
besu chte kurz vor seinem Tode mit seinem F reunde Josef Feue rstein 
eine Aufführung. Doch wußte eine schla ue Person, die zu Felders 
bittersten Feinden gehörte, eine Zusamm enkunft der beiden Männer 
ZU verhinder n. Felde r woll te damals eine Sammlun g von ält eren 
und neueren Bregenzerwälder Gedichten her ausge ben und scheint auch 
ein Br e genzerwälder Stück für die Bizauer Bühne geplant zu haben . 
Die Schauspieler waren meist „ledi ge Buben", die auch die weib­ 
lic hen Rolle n gaben, wie es ja bet den kunstsinnigen Griech en auch 
der Fall war. Ihr eifriger Förderer war Pfarrer Hell, der nach 
einem Ausdruck Wolf les „nicht m jeder Ecke eine Todsünde sah"; auch 
sein Nachfolger Vonbank stand der Bizauer Bühne zu nächst freundlich 
gegenüber, ä nderte aber später sein Verhalten. Die Gegnerschaft 
sammelte sich im katholischen K asino. Trotzdem waren die Schauspieler 
gutmütig gen ug, bei einem „Unterhaltungskasino" ei nige Stucklein 
aufzufüh r en. Beim Volksf est auf der Bezegg im Jahre 1871 anläßlich 
der E rrichtung der „Bezeggsul" stellten sie noch eine Bregenze r walder 
Gerichtsverhandlung der alten Zeit dar. Damit endete der erste 
Abs chnitt der Bizauer Bühne. 
Wölfle hatte unterdessen bei einem Onkel das Schreinerhandwerk 
erle rnt. Im Auftrage des landwirtschaftlichen Verei nes für Vorarlberg 
verferti g te er das Modell einer Bregenzerwälder Alp hütte für die 
Molkereiausstellung in Wien im Jahre 1872. Der Ackerbauminister 
überreichte Wölfle eine zwei Taler sch were silberne Gedenkmü nze. Die 
Arbei t wurde als sehr belehrend vosi der Hochschule für B ode nkultur 
angekauft. Wölfle war se lbst eine Woche in Wien. Wenn er auch 
viele Zeit inder Ausstellung weil en muß te, um die nöti gen E rkläru ngen 
zu seinem Werke zu geben, so sah er doch das B urgtheate r und die 
Gebäude für die Weltausstellung des Jahres 1873 und bestieg auch 
den Stef ansturm . 
In dem heftigen Kampf um die Sch ule hielt Wölfle zu den 
Anhängern des neuen Schulgesetzes, deren Vertreter die tüchtigen 
Leh rer Rüscher in Au, A berer m Schoppernau, Egender in Schn epfau, Schn epfau,
	        
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