114
durch die Urteile, aber auch zu strenger, stille r Weiterarbeit verpflichtet.
Denn er nahm es mit dem Berufe des Volksschriftstellers sehr ernst
und s chrieb damals an seinen Schwager und Lebensfreund Kasp ar
Moosbrugger:
„Nicht um Lob und Ehre, nicht um Geld will ich schreiben, nie
will ich meine Feder entweihen, aber ich will nütze n, wenn es
mir mög lich ist."
In diesem Strebe n wurde Felder durch s einen Schwager Moos-
brugger1) in Bludenz und durch den Professor Rudo lf Hildebra nd' )
in Leipzig gefordert. Felders Briefwechsel mit die sen beiden F reunden
gibt nicht nur wesentliche Aufschlüsse über den Dichter, die Entstehung
jeiner Dichtungen und damit einen klaren Einblick in sein Seel enleb en
und Schaffen, sondern er ist zugleich eine fo rtl aufende Kulturgeschichte
V orarlb ergs in den 60 er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der
Briefwechsel Felder-Hildebrand^) ist von Dr. Helmut Wocke für die
Ausgabe in Langens Büchern der Bildung vorbereitet. Der Brief
wechse l Felder-Moosbrugger liegt seit 1869 druc kreif vor.
Erst vier Jahre spater kam ein größeres Werk „Sond erlin ge.
Bregenzerwälder Lebens- und Charakterbilder" heraus bei Hirzel in
Leip zig in zwei Bänden 1867. Der Fortschritt in der Spra che und im
Stil, besonders aber in der Bildung der Charaktere und in der
seelischen Begründung ihrer Handlungen war bedeutend und fand
bewunde rnde Würdigung. Schon im nächsten Jahre folg te im se lben
Verlag „ Reich und Arm. Eine Geschichte aus dem Bre ge nzerwald" ,
worin Felder sich auf der Höhe seines dichterischen Könnens zeigt.
Die zarte Novelle „Lieb esz eich en" hat Felder in Leipzig vollendet,
wo er sich im Hause Ru dolf Hildebrands recht wohl fühlt e und sich
auch im Kreise der Gel ehrten und Künstle r leich t und sicher bewegte.
Es war wohl die glücklichste Zeit s eines Erdenwal lens. Daher ist auch
über die Erzählu ng ein Schimmer köstlichen Frohsinns ausgebreitet-
bei ruhigem Fluß des sprachlichen Ausdrucks ist die Begründung der
Handlung klar, die Umrisse, besonders der Hauptpers o nen, treten
anschaulich hervor , die eingestreuten Schilderungen des Volk slebe ns
sind g eradezu mustergültig und verdienten die Aufnahme in unsere
Schullesebücher.
Auf Anregung des Leipzi ger Germanisten H ildebrand, der den
Dichter zwei mal zu sich gela den hatte, su chte Fel der Trost über den
Verlust seiner Frau in der Darste ll ung seines eigenen Bildungsganges.
In we nigen Monaten en tstand so das köstliche Buch „Aus meinem
Leben", „das nach dem U rteil der Ken ner zu den allerbesten Büche rn
gehört, welche das vergangene Jahrhundert hervorgebracht hat", wie
mir Hofrat A. E. Schonbach schrieb. Diese Lebensschilderung reicht
bis zu Felders Ver ehelichung. Der unmittelbar nach der Vollendung
*) Ngl. Sand er in der Einleitung zum viert en Band Felders Werken (186),
Seite 7—13.
-’) Vgl. Hi ldebrand s Lebensbild von seine m Sohne in der Einleitung zllr
17. Aufl age von Hildebrands Buch: Bom deutsch en Sprach unterri cht in der Sch ule.
Bilg eri im Feie rabend (4), 1924, S. 181 f.
') Vgl. Hildebrand (Sohn) im Feierabend (4), 1924, S. 182 f. f.