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Full text: Das Vorarlberger Schrifttum : und der Anteil des Landes am deutschen Geistesleben

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und ihnen eifrig nachstöberte. Als er daher von seinem Freunde, dem 
Hohenemsischen Amtmann Franz Josef von Woch er, erfuhr, daß in 
Gewölben des neuen Schlosses in Hohenems viele Hands chrift en und 
Bücher in ungeordneten Hauf en herumliegen, ritt er am Peter -und- 
Pauls-Tage 1755 nach Hohenems. Dort entdeck te er neben anderen 
wertvolle n Werken die Handschrift c des Nibelungenliedes und über­ 
mittelte sie dem Schw eizer Gelehrt en und Dicht er Joha nn Jakob 
Bodmer (1698—1783) in Zürich. Bodmer veröffentlichte im Jahre 1757 
den z wecken Teck der Handsc hrift unter dem Tit el: Chriemhil den 
Rache . Durch Woche rs Ve rmittlun g erhielt Bodmer 1778 auch die 
Handschrift A, die ebenfalls in Hohenems gefunden wurde, und im 
Jahre 1780 die Han dsch rift B, die im Montfort erfc h loß Werdenberg 
bei Buchs entdeckt w orden war und späte r in den B esitz des schweize­ 
rischen Geschichtschreibers Egidius Tschudi kam. B odmer ließ die 
Handschriften abschreiben; auf Grund der Abs chrift en von A und c 
gab dann der Schweizer Ch. H. Myller, Professor am Joa chimstals chen 
Gymnasium in Berlin , zum erstenmal das ganze Werk heraus unter 
dem Titel: Der Nibelungen Siet. 
Wie unv ollk ommen auch diese Ausgaben waren, so gaben sie doch 
nach Jahrh underten wi eder den Anst oß zu ernster Besc häftigun g mit 
dem Schatz der deutschen Dichtung des Mittelalters. Das Urteil des 
Preuhenkönigs Friedrich des Großen war zwar schroff abwe isend. In 
einem Brief vom 22. Feber 1784 an Myller, der in der Züriche r 
Bibliothek unter Glas und Rahmen aufbewahrt wird, äußerte sich der 
König: ,,. . . Meiner Ansicht nach, sind solche (Gedi chte) nicht einen 
Schuß Pulver wert; und verdienten nicht aus dem Staube der 
Vergesse nheit gezogen zu werden. In mei ner Bücher-Sammlung 
wenigstens würde Ich der gleiche n elendes Zeug nicht foulten; sondern 
herausschmeißen." Aber der bekann te Ueb ersetze r Johann Heinrich 
Voß (1751—1826), Rektor des Gymnasiums in Eut in, las das 
Nibelungenlied mit seinen Schülern. Goethe trug in den Jahre n 1807 
und 1809 eine von ihm selb st rasch hingeworfene Uebersetzung einem 
Kreis von Damen vor und empfa hl später die im Jahre 1827 
erschienene Uebersetzung von S imrock mit den Worten: „sie erregt eine 
unwiderstehliche Sehnsu cht nach dem Original." Seithe r sind etwa 
80 wissenschaftliche Ausgaben in der Urs prache^ erschienen, ebe nso eine 
große Zahl von Uebersetzungen, unter denen außer der von Simrock 
die von Eng elmann „Das Nibelungenlied für das deutsche Haus" und 
die billi ge von Junghaus in Reclams Universal-Bibliothek erwähnt 
werden sollen. Die epische Neugestal t ung der Dichtung mit dem alten 
Stabreim hat Wilhelm Jordan (18 19—190 4) erfolgrei ch versucht und 
in zwei Tei len durchgeführt (1. die Siegfr i edsage, 2. Hildebrants 
Heimkehr). 
Von vielen Dichtern wurde der Versuch ge macht, den N ibelung en­ 
stoff für die Bühne zu be arbe iten. Schon Hans Sachs hatte 1557 in 
y Zu emp fehlen find die Ausgaben von Bartsch (76) und Piper (84). (84).
	        
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