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Wirre Zeiten.
Das Jahrhundert vom Tode Rudolfs von Ems bis zur Geb urt
Hugos von Montfort war eine stürmisch bewegte Zeit. Seit dem
Untergang des stolzen Geschlechtes der Staufer sank das deutfche
Königtum und das Papsttums die Standesverha lt n isse wichen aus den
Fugen, Zucht und Ätte verschwanden immer mehr, die G eistlichke it
verweltlichte, das Rittertum verwilderte, an Stelle der öffentlichen
Ordnung und Sicherheit trat das Faustrecht, in der Kirche und im
Reiche herrschte trostlose Zerrüttung^
Dazu kamen Schreckn i sse der Natur in außergewöhnlichem
Umfang: Erdbeben , Heuschreckenzüge, Mißwachs, H u ngersnot, Seuchen.
Die Pest raffte an manc hen Orten die Hälfte der Menschen hinweg.
Uebe rmaß ige Genußsucht und Verkommenheit aus der einen Sei te, ein
Geist der Abtötung auf der ander en Seite standen sich unvermittelt
gegenüber. Viele schwankten zw ischen Sinnenlust und Seelenfrieden
hin und her. Die zeitgenössischen Schriftstelle r e ntwarfen ein trau riges
Bild des kirchl ichen N iederga nges. Zwische n den Frommgläubigen
und den Leugnern der Macht des Paps ttums und der Kirche suchte
die Reformpartei zu vermitteln. Ihr gehörten die gleichzeitigen Dicht er :
der Teichner , der Suchenwirt, die Tiroler Hans von Vintle r und
Oswald von Wollenstem an.
Auch Hugo von Montfort fand in der Verurteilun g der k irch
l ichen Mißstände sta rke Tone. So heißt es in sei nem Gedichte 5,
Vers 270—272: so
phlegent Priester simoni,
darzuo sint si nicht wuochers fri
und sun tlichs fürkof fen.
(Vorkaufen, um Wucherpreise zu e rreich en.) Die Habsucht der hohen
hoptprel aten und der niedrigen Geistlichkeit (git, giti gkeit) wird
wiederholt getadelt. Im Gedicht 29 schrei bt Hugo:
133/134 Wölt ich dann in ein dosier varn,
darinn ist nid und haß.
161/162 es ist kein orden, er hab ein gatten,
es si dann lützel oder vil.
137 f. sölt ich mich dann zen Pfaffen ziehen,
die habend krig, unküsch und glt.
Ganz erbo st ist Hugo über die zwiespältige Papstwahl:
19 5—200 zwen pebest sind gewettet ,
der tief el hat g esellet
werlich sich zuo dem einen ,
die bösen und unreinen,
die hand erdacht die valfchen wal,
den Wirt ze lon der ewig val. (Fall in die Hölle).