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Full text : Das Standschützen-Bataillon Dornbirn im Weltkriege

durcheinanderfluteten, zeigt en sie lan gsam ihr wahre s Gesicht,
e rklärten ihren militärischen Spaziergang als stolzen Siegeszug
und die wehrlosen Heimwanderer als Kr i egs gefangene. hätten die
Fein de mit offenen Karten gespielt , wäre es ihnen sehr wahr scheinlich
 passiert, daß man ihnen auch ohne österr e ichisch en Generalstab
die Siegesfreude noch ein wenig versalzen hätte. So hatte aber
wiede r einmal welsche Tücke über echt österreichische Vertra uensseligkeit
 einen glänzenden Sieg davongetragen. Ueber 350 .000
ös t erreichisch-ung ari sc he Soldaten, darunter fast alle Feldformation
 en der Ti roler und Vorar lberge r Standschützen fielen bei dieser
Ge legen heit in Feindeshand, t rotzdem sie bis zum anbefohlenen
Rückzug unbesiegt gekämpft hatten.

On Madona di Lampiglio macht e die anfängliche
sta rre Verzweiflung bei den österreichischen T ruppen bald einer
wilden Zerstörungswut Platz. Um den Italienern die Beute an
Material zu verderben, wurden Säbel und Bajonette abgebrochen,
Gewe hre zertr üm mert, die Holzteile verbrannt, die verlas senen
Trainwagen nach Möglichkeit zerstört und die nicht sofort verwertbaren
 Lebensmittel v ernichtet . Das Magazin eines Hotels, das
mehrere tau send Stück gefüllte Wein flasch en enthielt, wurde
erbrochen und auf den köstlichen Rebensaft ein regelrechter Sturm
unternom men. Oer Wein war gut, aber um die ersehnte Labun g
mußte hart ge kämpft werden. Blaue Flec ken, Kratzwunden und
zerschnittene Hände bildeten den Gegenwert für die Beut e.

Um 5. November gegen Nbend ordnete das italienische
Vivisionskommando den Rückmarsch der in Madona di Tampigli
 o befindlichen Truppen in der Richt ung Tione an. In
dumpfer Resignation nahmen die Soldaten den Weg unter die Füße
und stampften in elendester Stimmung auf derselben Straße zurück,
die sie vor wenig en Stunden, in tausend Hoffnungen s chwelgen d,
zum letzten Male zu sehen wähnten.

Ooch schon regte sich w ieder die Pha ntasie und der Selbsterhaltungstrieb
 gebar die verschiedensten Ged anken. ■—■ Was hatte
es für einen Zweck, Soldaten, die nur noch dem Namen nach
Krieger waren , deren großes Vaterland sich in Auflösung befand ,
in die Gefangenschaft zu verschleppen? — Oie Ver nunft konnte den
Sinn einer solchen Maßnahme nicht fass en und schon keimte
leise Hoffnung, daß auf einer andere n Linie baldiger Öbschu b in die

Heimat erfolgen sollte. — Leider bew iesen die komme nden Tage,
daß alle ins Tr effen geführten Vernunft s gründ e trügerisch waren.

Mi tten in dem wilden Gewog e aufgelöster Truppenteile
marschierte neben den anderen Kompagni en des Baons Bregenz
die Standschützenkompagnie Vornbirn als geschl ossenes Ganze s
in die Gefangenschaft. Sogar der Kompa gnietrain war anfänglich
noch vorhanden. 151
            
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