3
als ein spät auftretendes, bald unterworfenes und romanisirtes
Gebirgsvolk eine wenig erheblic he Stelle entweder im keltischen oder
im italischen V erbände ein; halt en wir uns dag egen an Niebuhr,
so liegt in der Nationalität, in der Herkunft der Räter eines der
wichtigsten Probleme für die Urgeschichte Italiens, und es muß sei
ner Hypothese zuliebe schon erlaubt seyn, diese Frag en einer
nähern Betrachtung zu unter werfen. Die Ve rgleic hung der Quellen
ist, wie sich gezeigt hat, deßwegen nicht berufe n die Sache zu ent
scheiden, weil bei dem Widerspruche derselben das Ergebniß von
der s ubjectiven Schätzung des Vergleichenden abhängt; und dar nach
b leibt denn zur Lösung der Aufgabe kein anderes Mit tel übrig,
als die Sprache der Räter — ein Material, von welchem aller
dings auf den ersten Anblick wenig zu erwarten scheint, das aber
doch reichhaltig genug ist, um den völligen Ausschlag zu geben.
Es haben sich nämlich von der Sp rache der Räter zwar keine schrift
liche n Denkmäler, auch keine anderweitigen U eberlieferungen *) er
halten, dafür aber bietet sich in Tirol und den östlichen Theilen
der Schw eiz ein Corp us von Namen der Orte, der Berge und
Flüsse dar, von Namen , die, se ltsam und fremdartig wie sie klin
gen, bis her für unerklärlich gegolten2) und die es, sofern man auf
Deutung ihres Sinnes ausge ht, wohl auch dem größten Theile
nach sind, die sich aber in ihren Formen, wenn diese richtig er
kannt werden, so specifisch und conclufiv erwe isen, daß über das
Idiom des Vol kes, von dem sie ausgegangen, kein Z weifel übrig
bleiben kann. Die Sprach e aber, aus welcher sich diese Formen
erklär en, ist die etrusk isc he.
Um dieses nachweisen zu können, müssen wir nun aus dem
4) Livius sagt zwar in der vbe nangeführten Stelle, daß sie tuscisch
sprach en, allein dieß wird von denen, welche keltische Abstammung behaup
ten, nur auf die in den südlichen Gebirgen sitzen den Stamme bezogen.
2) Der ältere Roschmann sagt darüber (Veldidena. Ulmae 1744 S. 119):
Rhaetica nomina — -- — vel hodie suppetun t ut aliqui volunt) sed ut mihi
videtur ex lati nis, temporum ac regionis vitio dep ravata per vallem praecipue
venustam. Der jungere Roschmann und Pallhausen haben keltische Etymo
log ien versucht. Beda Weber (das Land Tirol. Innsbruck 1839. 3 Thle.)
erkl ärt gerne aus dem Deutschen. Wenn dieß Namen trifft, wie Haiming,
Miemiug, Flauerling น. d. gl., so haben wir nich ts einzuwenden; aber
Petneu, Patznaun, Passe yer, Talfer, Valzauer น. dgl. können wir nicht für
de utsch halten. 1*