150 11. Beschreibung der Pfarrkirche in ihrem gegenwärt igen Bestande.
Schon durch ihre geschichtliche Vergangenheit ist die große Bummerin
im Di cken Turm einem jeden Feldkircher lieb und wert. Und
wenn wir noch ihre ande ren Vorzüge: ihre monumental e Grö ße, da
sie weit über die Gre nzen des Heimatlandes und der Nachbarländer
hinaus nicht ihr esgleic hen hat; den außerordentlich gelun genen Guß,
eine Meisterarbeit heimischen Kunstgewerbes; dann ihre Klan gfülle
und die Reinheit des Ton es, wodur ch sie auch auf dem Gebiete der
Tonkunst eine meisterhafte Leistung darstellt, in Ans chlag bringen,
dann könn en wir ermessen, einen wie schweren Verlust im Interesse
des kirchlichen Kultus, aber auch des Heimats chutzes und der Wahrung
des alten Stadtbildes von Feldkirch die Stadt , sowie auch das
ganze Land Vorarlber g durch ihre 1917 beschlossene Re quisition erlit
ten hä tte. Glüc kl ic herweise ward das drohende Verhängnis dank
dem wack eren Eintreten des Gen.-Vikars Dr. Sigismund Waitz und
in le tzter Linie der Vermittlung des Ka iserhauses abgewendet.
M. Der Pf arr ki rchenturm.
Der Turm oder das Elockenhaus ragt mit seinem schl anken, spitzzulaufenden
Helm empor zu einer Höhe von 66 in. Der Helm ist mit
grüne n Lasurziegeln aus der Ziegelei der Brüder Schädler-Aktenstadt
ged eckt. An den unteren Enden des Helmdach es le iten vier
Wasserspeier aus Kupferblech mit phantastischen Drachenköpfen das
Wass er abseits. Den Helmabschluß bi ldet der vergoldete Turmknopf,
auf den ein verziertes Metal l kreuz aufgesetzt ist; dasselbe wird überragt
vom Turmhahn und dem Blitzableiter. Im Turmkn opf befinden
sich alte Urkunden, deren Wortlaut Pfarrer F. Häusle im Urb.
„Beschr." (S. 28 0—83) ausführlich mitteilt. (Ebenso Abschrift im
St a dtarchiv L. XX). Daraus sei Folgendes entnommen:
„Bei der Reparation des Thurmdaches hiesiger Pfarrkirche
im Juli 1851 wurden im obe rsten Knopfe 4 Ur kunden gefunden":
1. „Anno Domini 1478 sind gewesen:
Stattammann Rudolfs Rainolt ; Bawmaister Ulri ch Kappitl;
Werkman n des Gezimbers Hans Bärt l; Maister Hanns
Sturn Decker; Maister des Ziegeldachs Hans Dräer; Maister
der Knöpf Jörg Kupfferschmid; Stattschryber Nikl as Mung-Houe
r; Hanns Litscher, Seckelmayster; Maister Hainrich Bopprer,
Maister des Gschmids .
Auf der Rückseite: Der Knopf da rynn diser Zedel gelegen
ist uff Frytag vor der Psaffenvaßnacht anno Domini 1533 durch
ain hefftigen Sturmwind herab in den Hirszeng rabe n gefallen".
_ 2. „Anno Domini 1534 sind gewesen: Der allerdurchlauchtigst
großmächtigist Fürst und Herr Herr Ferdinandus Römischer,
auch in Ung arn und Beh eim Kunig, ain Eeborner Erzherzog
zu Oe ste rreich als regierender La ndfürst und Herr der
Herrschaft Veltkirch,