11. Beschreibung der Pfarrkirche in ihrem gegenwärtigen Vestande. 153
Ueber den Inhalt der neuen in die Kapsel versch lossen en Denks
chrift hat der Schreiber dieser Auszeichnungen lei der nicht s mitgeteilt,
und ließ sich eine Abschri ft davon bish er nicht ermitteln; vermutlich
wurde der eben zitierte Berich t über die Reparatur hinterle gt .
Das Turmgebäude zählt alles in allem 8 Stockw erke; bit
zwei oberste n bilden die Glockenstube. Im 6. Stock befi ndet sich das
Uhrw erk. Bei der Aufzug-Vorrichtung im 3. Stock findet sich der
Vermerk: „1787 renoviert " . Der St undensch lag erfolgt durch
Anschlägen der Agatha- und hernach nochmals in derselben Weise der
11-Uhr-Elocke; das Viertelstunden-Zeichen durch Anschlag des Toten -
glöckleins. Die Uhr-Zifferblätter sind über den oberen Schal llöchern
an den vier Giebeln des Turmmassivs angebracht; sie zeigen
jedoc h nur die gan zen Stunde n an.
Vom Elockenhaus aus gelangt man auch auf die Dachrä ume der
Marienkapelle und des Langschiffes: auf den ersteren durch eine enge
Lucke vom 2„ auf den let zteren durch eine niedrige Tür vom 4. Stockwerk
aus. Hier führen Balk en und Br etter über die tief sich hinabziehende
n Gewölbezwickel; ein schmaler, niedriger Durchlaß führt in
den Estrich über dem Chor, in we lchem an der Fortsetzung der Chorbogenmauer
die Spur en des mutmaßlich ältesten Cho res der Ki rche
noch ersichtlich sind, wie oben bei Besprechung der Architektonik der
Kirche mitgeteilt. Das s olide Dachwerk der Ki rche wird durch Hängekonstruktion
gebildet. —
Somit wäre die Beschreibung der Pfarrkirche erledigt. Wir sahen,
daß un sere Vorfahren in Bau- und Ausstattung ihrer Kirche
sich nicht nur mit dem Gewöhnlichsten und dem Mind estmaß zufr ieden
gab en, sondern nur Wertvolles, Beständiges und künstlerisch Gediegenes
als für das Haus Gottes gut genug fanden. Wenn auch nicht
gerade Me ister erst en Ranges , so haben doch Künstler von gutem
Klang, einheimische sowohl als auswärtige, an der Verschönerung unseres
Gotteshauses mitgearbeitet. Namentlich die Wende des 15.
Jahrhunder ts und das erste Viertel des 16. Jahrhunder ts weis en
einen Hochstand künstlerischer Leistungen auf, wie er späte r kaum mehr
erreicht wur de. Das Kirchengewölbe, das Sakramentshaus, die silberne
Monstranz, der St. Anna-Altar, bezw. die Ueberreste de sselben
wie das Sipp en-Re lief; dann die Tafelgemälde der Beweinung
und des Schweißtuches Christi sind heute noch Sehenswür digkei ten,
die un sere Pfarrkirche zu einem Anziehungspunkt der Ku ns tkenner und
-Freunde machen. Dabei darf es uns mit hoher Genugtuung erfülfen,
daß unsere engere Heimat selbst einige die ser Me ister, wie einen
Hans Sturn, Wolf Huber und Konstantin Müller , hervorgebracht.
Aber auch die Werke der anderen Künstler best ätigen, welch hohes
Kunstverständnis damals unsere Vorfahren beseelte und welch lebhafte
künstlerische und allgemein kulturelle Beziehungen dieselben in jener
Zeit mit Süddeutschland, besonders den damaligen Kunstzentren, Passau,
Memmingen, wohin die Spu ren der Entstehung einzelner dieser