9. Ge samtbild des Kircheninnern in der Zeit vor der letzten Restaurierung. 83
ren, wie berei ts ge sagt, schon längst, ver mutlich zur Zeit Kai ser Josefs
II., entfernt worden. Nach einer im städt. Archiv erliegenden Aufschrei
bung hatte im Jahre 1636 Meister Melchior Grueb er, Ste inmetz
von Rorschach, in der nördlichen Wand des Chorseitenschiffes
drei Fenster ange bra cht, gleichz eit ig waren zu oberst in der Mauer
des Chor-H aup ts chiffes drei ovale Fensteröffnungen ausgebrochen worden.
Diese Neuerung wur de, wie oben erwähnt, zur besseren Belichtung
des da mals neu erstellten Hochaltares, aber wohl auch aus Gründen
der Symmetr ie mit den an der Südseite schon vorhandenen Fenstern
ein gefü hrt; freilich waren die nördlichen Fenster im Vergleich zu diesen
letzteren wegen des da mals noch hö heren Sakri steian baues kürzer
noch als jetzt.
An der Südseite des Cho res befan d sich da mals schon eine kleinere
Orgel, die für Ch oralämter und V espern in Verwendung kain.
Sie wurde einige Jahre nach der letzten Renovierung der Kirche entfernt
und für die Fri edhofsk irc he verwendet, wo stie heute noch steht.
Das heutige Chorgestühl mit dem bischöflichen Thron wurde im Jahre
1848 angebracht, als unter Pfarrer Häusle der neue gotische Hochaltar
erstellt wurde. Schon vordem befanden sich an diesen Stellen
beiderseits Chorbänke, was aus den Bezeichnungen im Jahr zeitbuch
1738 hervorgeht. Hier heißt es nämlich bei der Aufführung der beide n
seitwärts vom Fronalt ar stehenden Altäre: „Dreifaltigkeits-Altar
(Epistelseite): aus der Seithe n, bey der Priestersc h aff t Stüelen;
Herrschafft-Altar auf der Seith en, wo die Schueler stehen. "
(S. 596 und 597; ähnlich: Urb. „Beschr.", S. 2 und 3.).
Oben bei dm Seitenfenstern der Ostwand sta nden da mals, also
vor Erstellung des heutigen Chorgestühls, Kästen , in denen für gewöhnlich
die Bestandteile des Silbernen Altares verwahrt wurden.
Vom Chore über die fünf St ufen, die bei der letzten Renovierung
in sc hwarzem Bür ser Marmor erstellt wurden, her absteigen d,
kommen wir zunächst zum Apostelaltar mit dem Riesenbild
Christi Himmelfahrt, beiderseits von Holzsäulen flankiert. Als
Predellastück erblicken wir dort das andach tsvoll e Herz-JesuBild
in pr unkvolle m Rokok o-Rahm en, das frü her auf dem XaveriusAltar
aufgestellt gewesen. Ihm entspricht auf dem gegenüb e rli egenden
Altar das H erz - M ari ä-B ild in ähnlicher Umrahmung, das
gleichfalls vom Josephi-Altar hieh er übertragen word en. Auf diesem
dem M a r i ä - E n d - AI t a r — befand si ch vor dem das Eberhard'sche
Riesengewälde Mariä Aufnahme; dass elbe wurde jedoch
in den 1850 oder 60er Jahren durch das schö ne Altarblatt:
Jesu Todesangst am Oelberg von Bobleter, heute an der Nordwand
des Hauptschiffes hängend, ers etzt. Der Künstler hatte dies Bild,
wohl eines der besten, die er gemalt — es wird noch späte r von ihm
die Rede sein — der Pfarrkirche geschenkt und überdi es noch 1000 fl
vermacht, damit hiefür ein passender Altaraufsatz hergestellt wer de. 6*